Rezepte für die gute Laune

Christian Lehner, der Wirt des Parkcafés, hat im ersten Lockdown ein Kochbuch geschrieben. Mit Gerichten, "die man daheim gut und leicht nachkochen kann", so lange die Lokale zu sind.

Wie geht das mit den Kartoffeln, Malaka?", ruft Christian Lehner zu Moses Wolff hinüber und lacht lauthals, "mit Schalen, aber nicht in Scheiben, sondern vierteln?" Moses Wolff, der Griechenlandexperte in dieser Küche, ruft zurück: "Der Länge nach vierteln und mit der Schale einfach dazugeben!" Lehner nimmt das imposante Küchenmesser, mit dem man auch einen Truthahn zerlegen könnte, und teilt mit großer Geste die Kartoffel in vier Teile.

Ja, im Parkcafé wird doch tatsächlich gerade gekocht. Aber nur dieses einzige Mal und bloß für die Zeitung. Denn man hat jetzt, mitten im zweiten sogenannten Lockdown, etwas vorzustellen, was letztlich das Ergebnis des ersten Lockdowns im Frühjahr ist: ein Kochbuch. "Laut & Lecker – Funky Soulfood-Rezepte" (Kampenwand-Verlag, 174 Seiten, 29,85 Euro) heißt es, und zusammengestellt hat es das Parkcafé respektive dessen Wirt Christian Lehner. "Es sind fast alles ganz einfache Rezepte", sagt der 49-Jährige, "die man daheim gut und leicht nachkochen kann, grad das Richtige für die Zeit, in der keine Lokale offen haben dürfen."

Normalerweise ist das Parkcafé am Alten Botanischen Garten beim Hauptbahnhof ja ein lustiger Hybrid aus Club, Bar, Speiserestaurant, Biergarten und Musik- wie Kabarettbühne und bedient die unterschiedlichsten Interessen. Dieses Jahr, sagt Christian Lehner, war einfach alles anders. Im Februar saß er noch im Büro und hat die Grillsaison geplant, und im Mai oder Juni wäre dann schon der genaue Ablauf der Weihnachtsfeiern dran gewesen. War aber 2020 irgendwie nicht so. Im März saßen sie da, mit den ganzen Vorräten in der Kühlung. Zweieinhalbtausend Eiern zum Beispiel. Denn für den Brunch am Wochenende brauchen sie ja normalerweise so um die 500 Stück am Tag. Aber dann eben: Ausgebremst durch den Lockdown.

Die Idee, mal ein Kochbuch zu machen mit Gerichten für die gute Laune, gab es schon länger, aber im Frühjahr war die Zeit dafür reif. "Ich hab' mit allen möglichen Leuten telefoniert und sie nach ihren Lieblingsrezepten gefragt – DJs, Musiker, Comedians, aber auch Wirtekollegen." Es kam viel zurück, in jeder nur denkbaren Form: "Manches handschriftlich, auch mal eine Datei, die noch auf Windows 95 geschrieben war."

Und Moses Wolff, der Münchner Schauspieler, Autor, Komiker und Mitbegründer der Schwabinger Schaumschläger Show, hat eben das Kotopopulo Lemonato beigesteuert, das griechische Zitronenhuhn. Das vereinigt gleich zwei seiner großen Leidenschaften in sich – die Wiesn, hier in Form des Hendls, und Griechenland. Wolff verbringt praktisch jedes Jahr einige Wochen bei Freunden auf der Kykladeninsel Ios und nahezu die ganze Wiesn auf der Wiesn. Beides war heuer bekanntlich schlecht möglich. Und so ist das Huhn eine leicht wehmütig stimmende, aber doch auch sehr froh machende Reminiszenz an angenehmere Zeiten.

"Es ist auch ein supereinfaches Gericht", sagt er, "wichtig ist vor allem die Marinade aus Olivenöl, Thymian, Rosmarin, Salz, Pfeffer und dem Saft von drei Zitronen. Mit der muss man das Huhn einstreichen, die sollte dann eine gute Stunde lang einwirken." Danach muss eigentlich nur noch alles in die Reine oder in den Topf, zusammen mit Knoblauch und Kartoffeln, und eine Dreiviertelstunde lang vor sich hinbraten.

So wie Moses Wolff, der im Haus auch die Showbühne "Humoristen im Parkcafé" betreut, haben unter anderem auch das DJ-Duo Poetnitsch & Jakopic und die DJane Maiba Rezepte beigesteuert (Risotto und Party-Nudelsalat, beides vegan), die Harfenistin Silke Aichhorn (Mousse au chocalat), der Jazzschlagzeuger Henry Waltz (Scharfes Huhn für zwei), und die Sängerin Ines Goldfisch (Kartoffel-Brokkoli-Paprika-Pfanne mit Erdnusscreme). Während die Künstler auffallend gesund und gemüselastig essen, sorgt der Wirt mit seinen Beiträgen für das Handfeste. Schließlich unterhält er ja auch eine eigene Grillakademie im Parkcafé.

Lehner hat eh ein paar Stationen hinter sich, nicht nur in der Münchner Gastronomie vom Mexikaner übers Wirtshaus bis zur Asia-Fusion-Küche. Er legte schon als DJ auf und ist unter den Münchner Wirten als Gaudibursch bekannt. Das ausführlichste Rezept im Buch aber stammt nicht von ihm: Es ist ein Ochsenbraten vom Bürgermeisterstück aus der Ochsenbraterei von der Wiesn, denn Lehner ist gut befreundet mit Antje Schneider, der Wirten des Wiesnzelts und des Biergartens am Chinesischen Turm.

Auch hier treffen sich wieder die Interessen von Lehner und Wolff: Wiesn, gepflegte Getränke und Freude an der Gaudi. Die folgt auch, als nach einer Dreiviertelstunde das dampfende Zitronenhuhn duftend auf den Tisch kommt. Hat man das richtige Essen zum Wohlfühlen, dann kann man schon mal so eine Quarantäne aussitzen.