Rock me Karl-Theodor!

Es würde nicht überraschen, Karl-Theodor zu Guttenberg hier anzutreffen: Der Club 8below will den Rock ‘n’ Roll leben, doch richtige Rocker kommen nur selten.

Auf einem Bild steht “Smells like teen spirit”, doch es riecht nach: Toast Hawaii. Willkommen im 8below , einem Club in der Schützenstraße unweit des Münchner Hauptbahnhofs. Das 8below möchte ein richtiger Rocker-Club sein – deswegen der Songtitel der Grungeband Nirvana an der Wand, doch so ganz gelingt dies nicht – was nicht nur am Käsegeruch liegt.

Die Einrichtung des Clubs hat durchaus Stil, Rockerstil: Von den Wänden blicken irre Graffiti-Gesichter auf die Tanzfläche, 1500-LED-Leuchten an der Decke tauchen den Raum in verheißungsvolles rotes Licht, die Sitzmöbel sind aus Bierkästen gebastelt. Die große Bar steht fast in der Mitte des Raums. Das Geschehen spielt sich um sie herum ab. Longdrinks kosten 7,50 Euro, das Augustiner, immerhin 0,5 Liter, 4 Euro.

Es ist Freitagabend, 23 Uhr. Noch ist nicht all zu viel los in dem Club. In einer Ecke stehen noch ein paar Musikinstrumente. Ob hier gerade eine Band aufgetreten ist? Wahrscheinlich gehören sie eher zur durchdachten Dekoration an diesem Abend. An der Bar in der Mitte des Clubs stehen zwei Grüppchen, gerade der Minderjährigkeit entwachsen. Sieben Blondinen in der einen, in der anderen die Jungs. So viele Skaterhosen auf einmal sind an sonst kaum einem Ort in München zu sehen. Die beiden Gruppen prosten sich über die Bar hinweg zu, verlegen lachend. Das Motto der Veranstaltung: “Rocken und Poppen”. Die Jugend aus Ebersberg, Erding oder Fürstenfeldbruck hat offenbar an diesem Abend einen Ausflug ins Zentrum gemacht – der Hauptbahnhof liegt ums Eck.

Doch so jung ist das Publikum nicht an jedem Abend. Die Veranstaltungen – und somit auch die Musikrichtung wechseln. Dienstag ist Heimatabend, eine Veranstaltung, die vom Vorgängerclub Lola & Ludwig übernommen wurde: Hier werden nur Neue Deutsche Welle, Schlager und Deutschrock gespielt. Am Mittwoch treten bei “50 Minutes of Fame” Münchner Nachwuchsbands bei freiem Eintritt auf, eine schöne Idee. Samstags heißt es “The Bitter End” – nach einem Song der Gitarrenrockband Placebo. Und Gitarrenrock wird deswegen auch fast den ganzen Abend gespielt.

Freitags muss man ein wenig aufpassen: verschiedene Clubabende wechseln sich ab. Einmal im Monat gibt es Indie-Pop bei “King Kong Kicks”, einmal steigt die alternative , schwul-lesbische Partyreihe “Candy Club” und einmal wird bei “Hyper! Hyper!” zur Musik der neunziger Jahre getanzt – inklusive Boygroup-Hits und Eurodance.

Dementsprechend verschieden ist das Publikum. Mal kommen vor allem Schüler, mal fast nur Studenten, mal Polo-Shirt-Träger, mal Hipster. Mal spielt einer auf der Tanzfläche Luftgitarre und ahmt Rockerposen nach, mal tanzt einer schweißgebadet, während der DJ Scooter spielt. An manchen Abenden würde auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ganz gut reinpassen: tagsüber Anzug, abends AC/DC-Shirt. Und manchmal kommen auch echte Rocker.

8below, Schützenstraße 8, 80335 München