Schanigärten, eine Erfolgsgeschichte der Corona-Krise

Dass sich Wirtshäuser und Restaurants auf Parkplätzen ausbreiten dürfen, verändert die Stadt nachhaltig – und das zum Guten.

Erfolgsgeschichten gibt es auch in der Corona-Krise, eine handelt von den sogenannten Schanigärten, die jetzt überall in der Stadt in Parkbuchten entstehen. Sie sind zwar unterschiedlich hübsch, aber die meisten Gäste nutzen das Angebot gern, im Freien und direkt an der Straße zu sitzen. Die grüne Bürgermeisterin Katrin Habenschaden hat jetzt ausgesprochen, was sich viele schon gedacht haben: "Ich bin dafür, die Schanigärten in München dauerhaft zu etablieren", sagte sie im Interview mit der AZ , "mediterranes Flair" hätten sie in die Stadt gebracht, und man fühle sich "wie auf einer italienischen Piazza".

Ihre politischen Gegner werden jetzt sagen: typisch Grüne, Hauptsache, es geht gegen das Auto, und die Zweite Bürgermeisterin brauche ja wohl nie eine Parklücke zu suchen. Es ist nicht ganz von der Hand zu weisen, dass die Diskussionen über die Verkehrspolitik in der Stadt zunehmend unerbittlicher werden. Und das Bekenntnis, in der Stadt nicht sehr gerne Rad zu fahren, ist in manchen Kreisen ungefähr so populär wie die Aussage, man hasse kleine Kinder und Katzen. Das ist grotesk. Aber ebenso absurd wäre es, den Vorschlag Habenschadens abzulehnen, weil er den Grünen in den Kram passen könnte.

Sie hat nämlich vollkommen recht. Wirtshäuser und Restaurants ins Freie zu verlegen an sonst eher unwirtlichen Stellen der Stadt, das verändert das urbane Lebensgefühl tatsächlich auf ganz erstaunliche Weise. Selbst der Ärger der Anwohner scheint sich in Grenzen zu halten. Dabei gibt es in München noch genügend Autofahrer, die sich keinen sündteuren Tiefgaragenstellplatz leisten können oder für eine Parklizenz zahlen, obwohl sie trotzdem lange nach einer Lücke suchen müssen.

Die paar Parkplätze, die im Sommer plötzlich zu Gaststätten werden, ändern am zugrunde liegenden Problem nämlich auch nichts: In München sind 715 000 Pkw gemeldet, das sind (nicht nur aus Parkplatzgründen) viel zu viele. Dem gegenüber gab es bis zum Wochenende exakt 486 Anträge auf Freischankflächen in Parkflächen, 390 davon hat die Stadt bereits genehmigt. Das ist eine recht überschaubare Zahl. Und sie wird in den kommenden Jahren nicht sehr viel ansteigen, wenn man bedenkt, dass viele Lokale den Winter finanziell wohl nicht überstehen.