Schlemmen im Feinkostladen

Das Umfeld im Lehel ist exklusiv, die Speisen lecker – und dennoch ist das Menü im Gandl nicht überteuert. Erst beim Wein hört die Zurückhaltung auf.

Was hat man schon Spaziergänge durch das Lehel gemacht. Immer wieder kommt man an diesem Restaurant am St.-Anna-Platz vorbei, nie geht man hinein. Ein typisches Vorbeilauf-Lokal. Bis jetzt. Okay, das Restaurant ist eines der Schickeren. Ein Lokal, an das ein Feinkostladen angegliedert ist, in dem teure Weine, exquisite Schokolade oder französischer Käse verkauft werden.

Feinkost und dann auch noch im Münchner Nobelstadtteil Lehel – das klingt alles ziemlich schick. Und teuer. Doch dann schauen wir auf die Speisekarte und sehen, dass ein Fünf-Gänge-Menü zum gar nicht überteuerten Preis von 43 Euro angeboten wird. Exquisiter ist da schon die Weinkarte. Mit einer Ausnahme beginnen die Preise bei knapp 30 Euro pro Flasche – für die mit “Rarität” gekennzeichneten Tropfen darf man auch gerne etwas mehr hinlegen. Ein Tignanello aus der Toskana (Jahrgang 2001) kostet pro Flasche 189 Euro – dafür genießt man dann 93 von 100 Parker-Punkten.

Bei so viel Weinauswahl brauchen wir Hilfe. Die Kellnerin findet sich in der Karte gut zurecht und macht ein Vorschläge. Schließlich entscheiden uns für einen Weißburgunder im Glas (6,50 Euro) und eine Flasche San Pellegrino, für die ebenfalls 6,50 Euro berechnet wird.

Es ist ein Abend mitten in der Woche, und das Lokal ist überraschend leer. Pärchen sitzen da, zwei Geschäftsleute teilen sich einen Tisch, eine schick gekleidete Frau sieht einen Karton mit kleinen italienischen Süßigkeiten und schaut entzückt. Der Raum ist gemütlich eingerichtet, an den Wänden sind Delikatessen aufgereiht. Im Gandl-Restaurant bekommt man das Ambiente eines gehobenen Feinkostladens gleich mitgeliefert.

Das einzige Manko an dem Platz, den wir allerdings selbst ausgewählt haben: Er ist zu nahe an der Eingangstür. Immer wenn Raucher hinausgehen oder neue Gäste hineinkommen, zieht ein eisiger Wind ins Lokal hinein. Da hilft auch der aufgestellte Heizstrahler recht wenig.

Dann doch lieber aufs Essen konzentrieren. Bis zum ersten Gang dauert es ein wenig, aber glücklicherweise hat die Kellnerin schon dreierlei Brotsorten und Butter auf den Tisch gestellt – und wird dies im Laufe des Abends auch weiterhin unaufgefordert tun. Wir starten mit zwei herrlich gebratenen Rehfiletspitzen, die an einem Pürée aus Petersilienwurzeln angerichtet sind. Verfeinert wird das Ganze mit karamellisierten Walnüssen. Raffiniert.

Interessanter Zwischengang

Weniger begeistert sind wir dann von dem zweiten Gang, einer Kürbiscrèmesuppe, die ein wenig fad schmeckte. Leider ist die ansonsten sehr aufmerksame Kellnerin ausgerechnet dieses Mal nicht in der Nähe – so dass wir uns die Pfeffermühle selbst vom Tresen holen müssen, um dem Ganzen noch ein wenig Pfiff zu verleihen. Trotz aller Bemühungen: Die Suppe ist nicht der Höhepunkt des Abends.

Interessanter scheint da schon der Zwischengang: eine Waldbeer-Granitée. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Art zerstoßenes Fruchtsorbet, das mit Prosecco aufgegossen und in einem Weinglas gereicht wurde. Das Ganze schmeckt angenehm fruchtig und dabei nicht zu süß – so dass die Granitée nicht als Dessert missverstanden werden kann und Appetit macht auf das Hauptgericht.

Auch der Hauptgang schwimmt an diesem Abend im Prosecco. Medaillons von der Lotte sind an Wintergemüse und einem herrlichen Süßkartoffelpüree drapiert und von einer Prosecco-Soße umgeben. Der Fisch ist überraschend fest, aber dennoch nicht gummiartig. Die Beilagen passen hervorragend dazu – nur wo sich Koriander und Ingwer versteckt haben sollen, dies erschließt sich uns nicht so ganz.

Den Abschluss bildet eine wirklich leckere Bayerische Crème mit Waldbeeren. Saisonbedingt stammen die aus der Tiefkühltruhe und sind entsprechend ein wenig matschig. Und doch harmonieren die nicht zu süße Crème und die säuerlichen Früchte gut miteinander.

Das Gandl ist ein Vorbeilauf-Restaurant? Jetzt nicht mehr.



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