Gleich zu Beginn der Ludwigstraße wird seit einem Jahr bemerkenswert fein gekocht: im Ludwig 8. Foto: Stephan Rumpf

Schlicht, einfach und gut

Es gibt nur wenige Lokale in München, in denen reine Gemüseteller so viel Freude machen wie im Ludwig 8 – das gilt hier auch für Entenbrust.

Die Ludwigstraße ist eher repräsentativ als gemütlich. Flaneure, Shopper oder Nachtschwärmer, die vom Odeonsplatz kommen, schaffen es oft nur ein paar Hundert Meter in Richtung Siegestor, dann schiebt sich der Altstadtring wie ein Riegel über die breite, zugige Straße und blockiert jede Spazierfreude. Doch wer gutes Essen schätzt, der sollte ein paar Meter weitergehen. Denn gleich zu Beginn der Ludwigstraße wird seit einem Jahr bemerkenswert fein gekocht. Ja, wir wagen sogar zu behaupten: Wem es vor allem darum geht, was auf dem Teller liegt, der kann für das nach der Hausnummer benannte Ganztagsrestaurant “Ludwig 8” künftig die gesamte Renommiergastronomie der nahen Brienner Straße hinter sich lassen.

Zugegeben, auch wir waren anfangs verunsichert. Da ist zum einen die besagte Lage und die eindrucksvolle Fassade des Ludwigpalais, hinter der sich das Lokal fast versteckt. Zur Unscheinbarkeit trägt bei, dass die niedrige Betonkassettendecke das schlichte Café im vorderen Teil auf den ersten Blick etwas gedrungen, ja düster wirken lässt. Zum anderen klingt das Konzept – “Gourmet to go” – fast zu schön, um wahr zu sein: Feines Frühstück von 10 Uhr an, exzellenter Kaffee, besondere Sandwiches und Kuchen, dazu Business-Lunch, jedes Gericht auch zum Mitnehmen und seit Juli nun auch noch ein Abendangebot, das in Richtung Fine Dining unterwegs ist. Kann das gut gehen?

Es kann, und dabei scheint zu helfen, dass für alles Kulinarische Jakob Stüttgen verantwortlich ist. Der hatte sich schon in der “Terrine”, dem seit einiger Zeit geschlossenen Schwesterrestaurant des “Tantris”, einen Stern erkocht. Im Ludwig 8 steht der Küchenchef abends zwar meistens nicht selbst am Herd, aber den auf der Webseite formulierten Anspruch, das “Elementare vor das Elitäre” zu stellen und “Geschmack in reinster Form” auf den Teller zu bringen, löst er auch dann ein.

Im Lokal sitzt man gemütlicher als erwartet. Besonders auf den Sofabänken im hinteren Restaurantbereich mit seinen grafischen Tapeten in stylischem Grünblau oder im eleganten Innenhof. Der Service ist freundlich, persönlich und zuvorkommend. Und wenn an unserem ersten Abend hier überraschend vieles von der Getränkekarte “leider aus” war, darunter zwei von mageren sechs Weinen, dann verbuchen wir das als Ausnahme. Das Lokal ist womöglich noch dabei, die Planung seines Rundumprogramms auszutarieren.

Der Abend beginnt mit gutem Brot zu leicht gesalzener Butter. Und vom ersten Teller an kann man schmecken, dass die Küche Produktqualität und Handwerk ernst nimmt. Vermeintlich Einfachem haucht sie mit interessanten Kombinationen oder unterschiedlichen Texturen Leben ein. Die grasigen Aromen der Lauchsuppe begleitet die Süße einer tadellos gegarten Jakobsmuschel, dazu gibt es herrlich krosse Speckwürfel (11 Euro). Ähnlich gut kombiniert ist die leicht orientalisch abgeschmeckte, fruchtige Kürbissuppe, der eine raffinierte Einlage viel Spannung verleiht: ein Duett aus zart schmelziger Gänseleber und gebratener Blutwurst (16).

Besonders sind auch die Salate: Dem Knack und der Bitterkeit von Endivie und Frisée setzt die Küche einmal ein feines Orangendressing, fruchtige Ananasstückchen und ein mit Sake und Miso glasiertes Lachsfilet entgegen (17 Euro). Ein anderes Mal karamellisierte Feigen, cremigen Ziegenkäse, gebratene Pfifferlinge und Kräuter (14).

Es gibt zudem nur wenige Lokale in München, in denen reine Gemüseteller so viel Freude machen: Weich gebackene neue Kartoffeln zu grünen Spargelspitzen mit etwas Biss, knackigen Bete-Würfeln und einem Kräuter-Dip mit leichter Meerrettich-Schärfe, das Ganze gratiniert mit reifem Gouda, aber nicht, wie üblich, als fette Haube, sondern fein dosiert, als Umami-Gewürz (19). Oder gegrillte Süßkartoffel mit Austernpilzen zu gedünstetem Mangold, rohem Frisée und gerösteten Kürbiskernen, abgerundet durch eine Soße, die ihre Tiefe – hier passt es mal – offenbar einem Spritzer Trüffelöl verdankt (18).

Man möchte nicht durch Wiederholung langweilen, aber auch die Hauptgerichte waren durchweg klug kombiniert, fein abgeschmeckt und perfekt gegart: Die rosa Entenbrust lagerte auf Safran-Couscous, umbrandet von Purple Curry Jus, wobei gebratener Mais und knackige Erbsen-Schoten für süße Aufregung sorgten (18). Der Wildschweinrücken war zart, die Soße aromatisch und die Allianz aus Belugalinsen, Steckrübenpüree und stückigem Apfelkompott so ungewöhnlich wie glücklich (21). Ein regelrechter Traum dann der Kabeljau, dessen kross gebratene Haut einen Mantel aus hauchdünnen Chorizoscheiben trug. Die feine Safransoße dazu war auch deshalb so gut integriert, weil nussige Linsen und Paprika, beides in Gemüsefond gegart, ein freundliches Gegengewicht bildeten (26).

Den Abschluss machte ein Dessert von schlichter Schönheit: schmelziges, leicht moussierendes Joghurteis zu vollendet gereifter Papaya und dreierlei Nusscrunch (8 Euro). Wie als letzter Beweis, dass die Küche hier einfach gut ist. Weil sie Schwieriges leicht aussehen lässt. Eine Kunst. In vielen Show- und Konzeptküchen ist es ja leider umgekehrt.

Adresse: Ludwigstraße 8 | 80539 München | Telefon: 089/21566100 | Dienstag bis Samstag 10 bis 0 Uhr, | info@ludwig8.de