Schöner wohnen und tafeln

Das Restaurant Kleinschmecker besticht durch seine zentrale Lage, durch tiefenentspanntes Ambiente und es überzeugt mit solider Küche, wenn auch nicht durch Haute Cuisine. Perfekt für Familientreffen, Geschäftsessen oder Techtelmechtel.

Der erste Eindruck? Saugemütlich. Dunkle Farbtöne, wie sie jetzt modern sind. Mit grauem Stoff gepolsterte Bänke entlang der Wände, Tische aus einer Handbreit massivem Holz, darauf weiße, gefaltete Servietten, etwas Salz und ein kleines Ölfläschchen. Das Kleinschmecker wirkt wie ein modernes, nicht überfrachtetes und doch behagliches Wohnzimmer. Platznehmen. Fallenlassen. Das funktioniert hier wunderbar. Die Loungemusik könnte man vielleicht ein bisschen leis . . . na gut, die jüngeren Gäste scheint das nicht zu stören.

Der Service tut sein bestes, um die Atmosphäre zu unterstützen. “Was dürfen wir heute für Sie kochen?” Eines der drei, vier Gerichte von der Tafel an der Wand? Oder ein Standard von der Karte? Alles ist zu Menüs kombinierbar, und, so schien es uns, die meisten Speisen können beliebig als Vor-, Zwischen- oder Hauptgerichte eingesetzt werden. Wahrscheinlich könnte hier auch mit Käse starten, wem der Sinn danach steht.

Proteingericht mit der Sprengkraft einer Fliegerbombe

Wir blieben auf der Standard-Route, beginnend mit einer ungewöhnlichen, aber gelungenen Darreichungsform von Gänsestopfleber. Die foie gras war zart mit Kakao angereichert und auf ein fruchtiges Quittenpürree gebettet (15,50 Euro) – in dieser Kombination auch dank des Überraschungseffekts überzeugend. Eine vegetarische Vorspeise, marinierter Muskat-Kürbis auf mit Ziegenkäse angerührten Ricotta-Creme-Schneebällen (13,50), erzielte nicht den gleichen Aha-Effekt. Dafür war die weiße Creme im Vergleich etwas zu übermächtig und die schmackhaften, mit Passionsfrucht-Vinaigrette veredelten Kürbisscheibchen etwas zu spärlich.

Wer es zum Auftakt gern deftiger hat, kann sich auch einen Tatar zuführen, jene aus den Fünfzigerjahren wiederentdeckte, rohe Fleischspeise. Im Kleinschmecker wird sie serviert, wie es sich gehört, dazu hausgemachter, roter, schalottenhaltiger Luxusketchup und hausfrittierte Fritten. Aber schon in der kleineren Version (13,80) entwickelt das Proteingericht die Sprengkraft einer Fliegerbombe. Die folgende Hauptspeise mussten wir mit größtem Bedauern halb verzehrt zurückgeben. Ein sanfteres Entree wären wohl die 30 Gramm Kaviar von der Karte, mit allem drum und dran. Aber 90 Euro, das wollten wir der Spesenabteilung dann doch nicht zumuten.

Weideochsen im Duett

Von den Hauptspeisen sei eine Bouillabaisse von der Tageskarte gelobt (18,50), deren maritime Frische auch an der Hafenmole von Marseille reüssieren könnte. Unnötig empfanden wir, dem Gericht neben Wolfsbarsch und Vongole noch die in Supermärkten allgegenwärtigen Minigarnelen beizumengen. Leider erwies sich auch die dazu servierte Rouille als enttäuschend gehalt- und farblos.

Zur oberen Liga der Hauptgerichte – auch preislich – gehört im Kleinschmecker das Duett vom Weideochsen (31,50). Die stattliche Portion war appetitlich angerichtet. Das Filetstück kam medium, wie bestellt, war zart, besprenkelt mit frischen Sprossen. Dazu in Knusperteig gewickelte, gebackene Rinderbrust und als Beigabe neben glasiertem, knackigen Gemüse, ein Glas Trüffelschaum.

Perfekt für Familientreffen, Geschäftsessen und Techtelmechtel

Generell bietet das Kleinschmecker erlesene Zutaten, erfrischend komponiert, oft mit Salat und Sprossen garniert. Der enorm aufmerksame, nicht aufdringliche Service und das Wohlfühl-Ambiente machen es zu einem perfekten Ort für Familientreffen, Geschäftsessen und ein Techtelmechtel. Aber, und das sei eingedenk der Preislage erwähnt, auf Sternekurs ist die Küche nicht. Dazu fehlt es dann doch an Raffinesse, an filigraner Kombinatorik, an Neuschöpfungen, von denen man seinen Nachbarn und Freunden sogleich erzählen möchte. Dazu liegen dann doch zu viele Sprossen auf dem Fleisch, oder die dem gebratenen Thunfisch beigegebene Kapern-Sauce ist arg leicht durchschaubar. Man bezahlt hier für die sensationelle Lage in der Nähe des St.-Jakobs-Platzes, das außerordentliche, tiefenentspannte Ambiente, für solide Küche, aber nicht für Haute Cuisine.

In Sachen Wein ist man, wie inzwischen mancherorts in München, im Kleinschmecker perfekt beraten, sich komplett der önologischen Expertise der Kellner anzuvertrauen. Von den glasweise kredenzten Gewächsen enttäuschte keines, nicht der Sancerre zur Bouillabaisse, der Silvaner aus Österreich und nicht der Chenin Blanc von der Loire (zwischen 5,60 und 6,50 das 0,1-Glas). Und schon gar nicht eine beerig-erdige dichte Cabernet-Sauvignon-Syrah-Mischung (9) aus dem Piemont, für die man an den Ufern der Gironde wahrscheinlich das Dreifache bezahlen müsste.

Von den Nachspeisen probierten wir Nougat-Fondant, eine Komposition mit marinierter Birne und Pralineneis. Der zarte Schmelz mit süßem Schoko-Flair (12,50) rückte die Mühsal des Tagwerks endgültig in weite Ferne.