Schottische Exklave

In der Stammbar in der Maxvorstadt trägt der Wirt Kilt, es gibt 27 verschiedene Whisky-Sorten – und die Gäste dürfen sich ihr Bier selbst zapfen.

Dass in der Stammbar ein Schotte hinter der Theke steht, ahnt schon, wer die Tür zur Schellingstraße 59 betritt. Die Polster auf Stühlen und Bänken sind mit blau-türkis-gelbem Tartanmuster bezogen. An den blaugrauen Wänden hängen Plakate von schottischen National-Filmen wie Trainspotting, Braveheart oder Gregorys Girl, und, natürlich, der laut People Magazine sexiest Scot alive, Sean Connery als James Bond. Der Wirt der Stammbar trägt Kilt, das Tartanmuster ließ Robin Gilbert eigens kreieren. Der Biochemiker ist in Glasgow geboren, lebte in San Francisco und arbeitete lange in der Krebsforschung. Seit einigen Jahren wohnt er mit Frau und Kindern in Fürstenfeldbruck. Mit 48 eröffnete Gilbert in der Maxvorstadt seine eigene Bar.

Die Zapfanlage wurde aus Irland eingeflogen

Dass sich besonders Männer dort wohl fühlen, ist auf den ersten Blick klar: viel silber, viel Stahl, kühle Farben, ein riesiger Plasmabildschirm, eher zweckmäßig eingerichtet. Und dann das Herzstück: die Beer-Wall. An der eigens aus Irland eingeflogenen Zapfanlage können Gäste ihr Bier selber zapfen. Elf verschiedene Sorten Bier und Stowford Cider sind im Angebot, im Keller ließ Robin Gilbert ein kleines Kühlhaus einbauen. In der Stammbar bedient man sich selbst, Gläser stehen im Regal, bezahlt wird mit einem Chip, der an der Kasse aufgeladen werden kann. Das System rechnet das Bier nach Millilitern ab, 0,5 Liter kosten zwischen 2,95 Euro und 3,60 Euro.

Die Bier-Auswahl ist deutlich üppiger als in den meisten Bars . Aber sie ist trotzdem ein bisschen enttäuschend. Wer sich beim Gedanken an zwölf Zapfhähne schon exotische oder zumindest unbekannte ausländische Biere durchprobieren sah, muss sich mit bayerischen Biersorten, Budweiser, Newcastle Brown Ale und Cider zufrieden geben. Die Gäste scheint das an diesem Abend überhaupt nicht zu stören. Je später, desto größer ist das Gedrängel an der Zapfanlage. Die Stammbar wirkt wie Nachbarschaftskneipe und Sportsbar in einem: Neben Stammgästen und englisch sprechenden Paaren – die Bar gilt in Reiseblogs schon als schottische Exklave – sind vor allem Studenten da, die plaudern und trinken.

Whisky ist die Leidenschaft des Chefs

Wer kein Bier mag, kann an der Whisky-Wall einen richtigen Drink aus 27 Sorten (2 CL für 3,95 Euro) wählen. Robin Gilbert beschreibt das schottische “uisge beatha” (gälisch: Wasser des Lebens) als eine seiner Leidenschaften, die er mit den Gästen teilen will. Deshalb bietet er auch Probier-Sets (10,90 Euro) an.

Die dritte Wand ähnelt den Briefkästen eines großen Mietshauses am Samstagmorgen: in jedem Fach der Food-Wall liegt ein Prospekt von diversen Imbissen und Lieferservice-Anbietern. Essen gibt es in der Stammbar nicht, von schottischen Snacks und Shortbread-Keksen einmal abgesehen. Im “Indoor-Biergarten” bringen die Gäste ihr eigenes Essen mit – oder eben sie bestellen bei einem Lieferservice. Und für akute Fälle von Food-Koma oder Langeweile stehen Brettspiele und Zeitungen bereit.