Mach mal Pause! Der Aufforderung kann man im Fika wunderbar nachkommen. (Foto: Alessandra Schellnegger)

Schwedische Kaffeepause

Im Café Fika in der Nymphenburger Straße bekommt man nicht nur Zimtschnecken und Schokoladenkuchen, wer will, kann sogar Mobiliar kaufen. Oder die entschleunigte Atmosphäre genießen.

Der Begriff “Fika” hat einen eigenen Wikipediaeintrag : Fika sei eine soziale Institution in Schweden, besagt er. Es bedeute die Unterbrechung einer Tätigkeit, um mit Familie oder Freunden einen Kaffee zu trinken. Und zu ebendieser schwedischen Kaffeepause ruft nun das Fika in der Nymphenburger Straße auf. Und zwar auf sehr einladendende Weise.

Draußen unter dem Schatten spendenden Baum ist ein Teppich ausgebreitet, darauf einer der Tische, die allesamt mit kleinen Blumengedecken bestückt sind. Eine Frau in feenartigem Rock sitzt mit einem Buch auf einer Bank. Wahrhaft scheint sich der Zauber der Fika über diesen Ort gesenkt zu haben, drinnen wie draußen herrscht eine entschleunigte Atmosphäre, obwohl das Café, oder, richtiger, schwedisch “Kafé”, gut besucht ist.

Das Fika ist aber nicht nur ein Kafé, sondern auch ein Laden. Die Möbel und Lampen in skandinavischem Design können theoretisch auch gekauft werden. Vor einer blumigen Tapete steht ein altes Klavier, kleine Tritthocker führen auf ein holzverkleidetes Podest, auf dem es sich die Gäste gemütlich machen können, über ihren Köpfen hängt ein schnittiges Fahrrad an der Wand. Eine Ecke ist mit Polstermöbeln ausgestattet, auf einem Sideboard im 50er-Jahre-Stil sind die Kuchen des Tages ausgestellt. Unterschiedliche Designs fügen sich zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Und natürlich wechseln die Möbel dank des Ladenkonzepts immer mal wieder.

Was gibt es da und was kostet das?

In schwedischen Kafés gibt es oft eine Kanne Filterkaffee zur Selbstbedienung – so weit sind die Betreiber des Fika nicht gegangen. Die Nachfrage bestimmt das Angebot, und so gibt es stattdessen Espresso, Cappuccino und all ihre italienischen Verwandten mit Bohnen von Dinzler zubereitet. Zu sehr fairen Preisen, der Espresso kostet nur einen Euro, ein Cappuccino 2,50 Euro.

Zu einer ausgedehnten schwedischen Fika gehört natürlich etwas Süßes, ein Stück Kuchen, eine Zimtschnecke. Gibt es alles. Serviert auf Porzellantellern wie von Oma, mit verzierten Rändern. Mehr gibt es allerdings nicht für Gäste, die früh aufschlagen, das Kafé ist schon ab 8 Uhr morgens geöffnet. Aber wer sagt schon, dass eine Beerentarte oder ein veganer Mohn-Nuss-Muffin mit Zwetschge und einem Cappuccino dazu kein legitimes Frühstück sind? Ein Cappuccino, ein hausgemachter Kuchen, das macht zusammen fünf Euro, glücklich und satt. Morgens können Gäste auch mit Sicherheit noch das feine Bananenbrot oder den Schokoladenkuchen erwischen – was aufgegessen ist, ist aufgegessen und damit ausverkauft.

Mittags gibt es zusätzlich noch ein Tagesgericht für 6,50 Euro, Tomatensuppe, Kartoffel-Linsen-Zucchini-Curry, Bulgur mit Süßkartoffeln und Kichererbsen, solche Dinge.

Wer geht da hin?

Dieser nette gerade-noch-Maxvorstadt-Fleck am Rande zu Neuhausen zieht ein sympathisches Völkchen an, Mütter mit kleinen Kindern, Kunden von dem Fahrradladen im Hinterhof, Kollegen, die an der Nymphenburger Straße arbeiten und hier eine kleine Fika machen, Skandinavienfans, Kuchenliebhaber und Menschen, die mal in Ruhe lesen und dazu guten Kaffee trinken wollen.

Wie viel Zeit bringt man mit?

So viel man möchte, siehe Buch. Für eine Fika ist in Schweden immer eine gute Tageszeit. Laut dem Wikipediaeintrag kann sie 15 bis 45 Minuten dauern, allzu ernst muss man das in der Münchner Dependance nicht nehmen. Bis sechs und manchmal acht Uhr abends ist das Kafé geöffnet; da bleibt viel Zeit, um sich durch die Kuchen zu probieren.

Nymphenburger Str. 25, 80335 München, Montag bis Mittwoch 8 – 18 Uhr, Donnerstag und Freitag 8 – 20 Uhr, Samstag 10 – 16 Uhr, https://fika.is , hej@fika.is