Vom Grundsatz her geht es in beiden Standorten ums gleiche Prinzip: Einfache, vorwiegend bäuerliche Küche aus China, wie zum Beispiel frittierter Schweinelachs mit süßsaurer Sauce. (Foto: Robert Haas)

Schweinebauch Spezial – und obendrauf ein Löwenkopf

Chinesische Heimatküche ohne große Zugeständnisse an westliche Gewohnheiten: Den Maigarten aus der Au gibt es jetzt auch als Restaurant im Gärtnerplatzviertel.

Für die Bewohner der Isarvorstadt war es eine große Überraschung, als ein seit Urzeiten existierendes Ecklokal, das immer halb leer gewesen war, fast von einem Tag auf den anderen von jungen Leuten überrannt wurde, obwohl nicht einmal ein neues Namensschild oder eine Speisekarte im Freien hing. Nur über das Internet konnte sich die Fama verbreitet haben, dass man ausgerechnet an dieser anonymen Ecke speisen müsse. Um abends dort einzukehren, musste man damals also schon Tage vorher einen Tisch reservieren.

Einer der Gründe für die Attraktivität des Maigartens dürften die moderaten Preise sein. Sehr viel interessanter ist aber, dass dort ein Chinese die einfache Küche seiner Heimat weitgehend ohne europäische Zugeständnisse zelebrieren lässt. Der Wirt, ein in Deutschland promovierter Chemiker, der vorzüglich deutsch spricht, scheint mit den von seinen Landsleuten in Münchner Lokalen angebotenen Speisen offenbar nie richtig zufrieden gewesen zu sein. Jedenfalls hat er irgendwann sein eigenes Lokal aufgemacht: zunächst in der Ohlmüllerstraße unter dem Namen Maigarten einen kleinen Imbiss, in dem seine Frau gekocht hat. Nach dem breiten Erfolg dort hat er das Maigarten-Prinzip auf das sehr viel größere Lokal in der Buttermelcherstraße übertragen und dafür einen Koch aus Nordchina angestellt.

Die Anzahl der Gerichte im neuen Restaurant, die schon beim Lesen der Speisekarte kleine kulinarische Abenteuer versprechen, ist beträchtlich, aber wohl zu groß, um den angepeilten Standard auch bei größtem Andrang halten zu können. Für Leute, die sich vor den in allen kulinarischen Hochkulturen geschätzten Innereien grausen, dürften die auffälligsten Speisen die hausgemachten Salate aus gekochten Schweineohren, Schweinezungen oder Schweinemägen sein, die mit Gemüsestängeln, Sesam und Sojasauce angemacht werden. Mit ihrem kernigen Biss und ihrem vollrunden Aroma lassen sie aber die Liebhaber solcher Spezialitäten jubeln (6,00 Euro).

Zu den Zubereitungstechniken, die in China besonders vielfältig eingesetzt werden, gehört das Frittieren, dem aber meist einen Nachbereitung in der Pfanne folgt. In der Vorspeise "Gebratene Bohnen mit Sichuan-Pfeffer" etwa werden frische Bohnen kurz frittiert und dann im Wok mit Sichuan-Pfefferschoten und Öl zu einem geschmacklich opulenten Gericht vervollständigt. Dass die Bohnen dabei etwas einschrumpeln, scheint einkalkuliert zu sein (11,90).

In einem ähnlichen Prozess gehen Knoblauchstangen und Stücke vom Oktopus eine leuchtende Symbiose ein (14,90). Auch andere vegetarische Vorspeisen und Gerichte werden wohl ähnlich einfach zubereitet.

Die chinesische Fritteuse kommt auch bei den "trockengebratenen" Speisen kurz zum Einsatz. Doch hier wird das in Würfel geschnittene Fleisch zuvor in einem Würzsud mariniert, der für einen ausgeprägten Geschmack sorgt. In der Pfanne vereint sich dann das gegarte Fleisch mit dem Gemüse zu einer kräftig schmeckenden Einheit. Am besten funktioniert diese Zubereitungsart beim Hühnerfleisch: Die Brocken vom Huhn bleiben saftig und zart und harmonieren bestens mit dem kurz angebratenen Gemüse.

Wer Fleisch und Gemüse stets getrennt genießen will, ist hier also fehl am Platz. Und wer gar nach den ganz speziellen Finessen sucht, die europäische Spitzenköche im Lauf der Jahrhunderte aus den Produkten der Natur herausgekitzelt und sauber getrennt auf Tellern zelebriert haben, der muss das Lokal in der Buttermelcherstraße gar nicht erst betreten. Im Maigarten wird die bäuerliche Küche Chinas gepflegt. Suppen, Vorspeisen und Hauptgerichte prägen sich hier durch ihren ausgeprägten Eigen- und Einheitsgeschmack ein. Die erstaunliche Vielfalt der möglichen Nuancen teilt sich also nur mit, wenn man direkte Vergleiche zieht, wenn man also aus mehreren Schalen naschen kann, wie es an den meist vollbesetzten runden Drehtischen in China üblich ist, wo aus der Küche ständig Schüsseln mit Frischgekochtem nachgereicht werden.

Fisch spielt im Inneren Chinas und auch im Maigarten nur eine untergeordnete Rolle. Schwein, Rind und Huhn aber sind allgegenwärtig. Beim Schwein kommt das Lokal den chinesischen Originalrezepten wohl am nächsten, wie etwa der "Schweinebauch Spezial" zeigt, ein halbkugelförmiges Gebilde aus Schweinebauchscheiben mit Gemüsekern (15,90), das selbst im wammerlgewohnten Bayern exotisch wirkt. Oder der "Löwenkopf": drei tennisballgroße Kugeln aus Schweinehackfleisch, die verblüffend leicht sind und auch noch überraschend mild schmecken (14,90).

Hat man das Lokal öfter besucht, wird man immer mal wieder kleine Flüchtigkeitsfehler entdecken. Aber sie können die Freude nicht trüben, dass in München ein Chinese versucht, seinen Gästen einen Ahnung von der einfachen Küche Chinas zu geben.

Adresse: Buttermelcherstraße 5, 80469 München, Telefon: 089/24211197, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11.30 bis 15 und 17 bis 21 Uhr, Samstag und Feiertag 17 bis 21 Uhr, facebook.com/maigarten