Schweizer Hof: Das besondere Pasinger Sommergefühl

Ein echter Münchner freut sich nach seinem Urlaub auf Leberkäs, Schweinsbraten und Weißwürscht, selbst wenn er diesen Spezialitäten sonst wenig abzugewinnen weiß. Wohnt dieser Münchner in Pasing oder nahe dabei, ist es leicht möglich, ihn schmausend im Schweizer Hof an der Planegger Straße anzutreffen. Das ehrwürdige Gasthaus, das ein Schwabe namens Martin Reißer im Jahre […]

Ein echter Münchner freut sich nach seinem Urlaub auf Leberkäs, Schweinsbraten und Weißwürscht, selbst wenn er diesen Spezialitäten sonst wenig abzugewinnen weiß. Wohnt dieser Münchner in Pasing oder nahe dabei, ist es leicht möglich, ihn schmausend im Schweizer Hof an der Planegger Straße anzutreffen.

Das ehrwürdige Gasthaus, das ein Schwabe namens Martin Reißer im Jahre 1879 erbauen ließ und das er später an die Augustiner-Brauerei verkaufte, ist eine Pasinger Institution. Reißer benannte es zu Ehren seines Berufes “Schweizer Hof”. Ein Schweizer war ein Mensch, der Milch verarbeitete. Seit 2015 wird das Wirtshaus von Melanie und Hans Stadtmüller betrieben, Letzterer auch Wirt der Fischer-Vroni auf der Wiesn.

Leberkäs und Wollwürste nach Art des Hauses werden in der kleinen Metzgerei im Hinterhof der Wirtschaft hergestellt. Wenn es die Zeit erlaubt, macht der Chef dort auch die Weißwürste selbst und zwar sehr genießbare (zwei Stück für vier Euro). Leberkäs kalt mit Gurke, Tomate und einer Scheibe Hausbrot kostet 5,50, der abgebräunte mit Spiegelei und Kartoffelsalat 6,90 Euro.

Die Portionen sind, wie auch bei allen anderen Gerichten, recht großzügig bemessen. Selbst der gute “kleine Schweinsbraten” mit Kartoffelknödel (6,90!) oder die ebenfalls sehr gute “kleine Rinderbrust” mit Meerrettich und Kartoffelsalat (7,50) sind nach einer der kräftigen Suppen kaum noch zu schaffen. Die Leberknödelsuppe (3,90) – großer Knödel mit viel Leber, wunderbar locker – und die Pfannkuchensuppe (3) mit hausgemachten Teigstreifen waren eine Zierde.

Vor einer Suppe sei dringend gewarnt, wenn jemand die ganze Schweinshaxe mit Kartoffelknödel bestellt (12,90). Auch jener Gast am Tisch, der angesichts des brutzelbraunen Stückes meinte, es niemals aufessen zu können, verputzte es bis zum letzten Krümel. Das Fleisch war sehr mürbe und die Kruste rösch, aber nicht hart, so dass man sie gut schneiden und beißen konnte. Gleiches gilt für das wohlschmeckende Entenviertel mit Kartoffelknödel und Blaukraut (11,50), innen zart, außen knusprig, das Blaukraut leider etwas fad.

Die Riesenportion Schweinenackensteak Holzfäller Art mit frittierten Zwiebeln, Schinken und Bratkartoffeln dürfte gerade das Richtige sein für einen leidenschaftlichen Fleischesser, der gerade einer längeren Folter durch eingefleischte Vegetarier am Familientisch entronnen ist (10,50). Absurd, von eingefleischten Vegetariern zu reden; müsste doch eher ausgefleischte heißen. Das einzige Gericht, das enttäuschte, waren die Spareribs. Ihnen fehlte die nötige Würze, und sie waren überhaupt nicht knusprig und so dick-fleischig, dass man den Trümmern nur mit Messer und Gabel zu Leibe rücken konnte, statt genussvoll daran herumzunagen (14,50).

Besser, man hält sich an die einheimischen Spezialitäten. Auch wenn es manchem bei der bloßen Erwähnung des Namens grausen mag: Der gebackene Schweinskopf vom Bioschwein war ebenso köstlich wie die gebackene Milzwurst (jeweils 8,90). Als Handwerkerteller – ein täglich wechselndes Gericht für 8,50 Euro – gab es einmal ein kräftig gewürztes Herz-Zungen-Ragout mit Semmelknödel, für Liebhaber von Innereien ein Genuss. Und auch das Backhendl mit Kartoffelsalat hätte kaum besser sein können (12,90). Aber dann etwas ganz anderes: Matjes mit Speckbohnen – zarteste Filets, knackige grüne Bohnen mit viel Speck, dazu Bratkartoffeln und Zwiebelringe – ein Seiten-sprung, der sich gelohnt hat (12,90).

Vor einigen Jahren wurde der Schweizer Hof renoviert. Der Ofen in der Gaststube, dessen Rohr den ganzen Raum durchquerte, war schon vor Jahrzehnten verschwunden, leider, wie viele alte Pasinger meinen. Zum Glück wurde nichts kaputtrenoviert. Mit holzgetäfelten Wänden, adretten Vorhängen, rustikalem Mobiliar und nicht allzu viel Zierrat an den Wänden blieb der Charakter des Wirtshauses erhalten. Es ist immer proppenvoll und auch recht laut, vor allem im Hauptraum. Viel bairischer Dialekt ist zu hören, auch beim freundlichen und flinken Personal. Klar, dass die Kellnerinnen im Dirndl und die Kellner in Lederhose ihrer Arbeit nachgehen, aber nicht in diesen Pseudotrachten, die in etlichen Gasthöfen üblich geworden sind.

Besonders hervorzuheben ist der Wirtsgarten des Schweizer Hofes. Im Sommer treffen sich dort Jung und Alt, Kind, Hund und Kegel. Die meisten kommen mit dem Radl, schon weil Parkplätze rar sind, aber auch, weil es das richtige Sommergefühl gibt. Im Schatten der hohen Bäume, am Abend bei sanftem Licht schmeckt das Augustiner-Bier noch einmal so gut. Die halbe Helle, gut gezapft vom Fass, versteht sich, kostet 3,60 Euro, ein Radler 3,50, der Russ 3,90. Aber auch der ordentliche Grüne Veltliner ist nicht zu verachten (0,2 Liter 3,90).



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