Der ehemalige Inhaber Alexander Grobitsch mit seiner Nachfolgerin Kerstin Lohner. (Foto: Catherina Hess)

Stadtteilcafé mit Historie

Vom Lebensmittelladen zum gemütlichen Café: Das Lohner und Grobitsch im Westend ist eine beliebte Anlaufstelle im Viertel. Am Wochenende kommen auch die Rest-Münchner zum ausgiebigen Frühstück.

Das Gesicht einer Stadt, eines Viertels ändert sich ständig. Dass dieser Wandel aber nicht immer mit einem radikalen Bruch einhergehen muss, zeigt das Café Lohner und Grobitsch im Westend, in dem Alt und Neu eine wunderbare Symbiose eingegangen sind. 42 Jahre lang betrieb der Münchner Alexander Grobitsch an der Sandtnerstraße 5, im Erdgeschoss eines imposanten Zwanzigerjahrebaus, ein Lebensmittelgeschäft.

Bis eine junge Frau an den alten Herrn herantrat, um ihn zu überreden, den wohlverdienten Ruhestand anzutreten – und ihr den Laden zu übergeben. Ihr Plan sah ein Café vor für den hohen Raum mit der großen Fensterfront. Mit viel “Geduld und Spucke”, wie es Kerstin Lohner formuliert, gelang es ihr schließlich, Alexander Grobitsch zu überzeugen.

Auch, weil sie einiges vom Inventar übernahm, das Café nach ihm und sich selbst benannte, und der alte Chef weiterhin ein wenig “mitwurschteln” durfte, wie Lohner sagt. Achteinhalb Jahre ist der Generationenwechsel her, und Alexander Grobitsch, mittlerweile stolze 88 Jahre alt, ist immer noch regelmäßig im Café anzutreffen – sowohl in Person als auch verewigt auf einem großen Schwarz-weiß-Bild an der Wand, das ihn lächelnd vor seinem Krämerladen zeigt.

Was gibt es da und was kostet es?

Als “bodenständig, nicht hipstermäßig” bezeichnet Kerstin Lohner die Küche ihres Cafés. Zum Frühstück (Montag bis Freitag 9 bis 11.30 Uhr; Wochenende 10 bis 14 Uhr) können die Gäste aus sechs unterschiedlichen Zusammenstellungen wählen – und dann jeweils noch “Krimskrams”, wie es auf der Karte heißt, dazu bestellen, also Eier, Müsli oder Joghurt. “Der deftige Alex” beinhaltet aufgeschnittene Salami, gekochten und geräucherten Schinken, Streichwurst, ein gekochtes Ei, und dazu Brot, Butter und hausgemachte Marmelade (9,90 Euro).

Wer nach dem “süßen Fritz” verlangt, bekommt drei Pancakes mit Obst und Sirup sowie einen frischgepressten Orangensaft (9,20 Euro). “Die süße Liesl”: ein Croissant mit Butter und Marmelade, ein gekochtes Ei und ein Orangensaft (7,20 Euro). Im Jahr 2019 kann sich Lohner trotz aller Bodenständigkeit nicht dem Zeitgeist verwehren und bietet auch ein vegetarisches Frühstück an – und neuerdings auch ein veganes: “Die vegane Julia” besteht aus einer Schüssel Overnight Oat (also aufgequollenen Haferflocken), Hummus, einem hausgemachten Aufstrich, Marmelade, Brot und einem frisch gepressten Apfel-Karotten-Ingwer-Saft (9,90 Euro). Die Tasse Cappuccino mit Sojamilch gibt es für 3,30 Euro (0,40 Euro Aufpreis gegenüber der regulären Milch).

Wer geht da hin?

Unter der Woche ist das Café Treffpunkt für Leute aus dem Viertel und für Geschäftsleute aus den umliegenden Büros, die sich hier zum Mittagessen respektive “Business Lunch” einfinden. Jeden Tag stehen eine Suppe, ein Salat, ein vegetarisches und ein fleischiges Gericht auf der Karte. Am Wochenende zieht es auch Münchner aus anderen Ecken der Stadt ins beschauliche Café im Westend , aber auch Touristen, die irgendwo eine Empfehlung gelesen haben – oder vielleicht vorher die “endlose Treppe ” in einem Innenhof an der benachbarten Ganghoferstraße für ihren Instagram-Account fotografiert haben.

Inhaberin Kerstin Lohner jedenfalls freut es, dass sich in ihrem Café ein gemischtes Publikum einfindet, und auch ältere Leute keine Hemmungen haben, hereinzukommen. Das schlichte Mobiliar, das aus zusammengewürfelten Flohmarktfunden besteht, scheint irgendwie alterslos. Und wenn dann noch Herr Grobitsch unter dem alten “Milch Wurst Feinkost”-Schild Platz nimmt, scheint hier die Welt noch in Ordnung zu sein.