Südländer im Lehel

Vormittags Cappuccino und Croissants, abends Wein und vom Chef gemixte Cocktails: Das Immersatt im Lehel hat zu jeder Tageszeit italienisches Flair.

Keine Phrase beschreibt das sommerliche Lebensgefühl in München besser als “nördlichste Stadt Italiens” – so oft das schon strapaziert wurde. Besonders italienisch wirkt der St.-Anna-Platz im Lehel mit seinen kleinen Restaurants rund um den Kirchhof mit seinen Bäumen und prächtigen Altbauten.

Doch eine Bar macht diesem Platz seit drei Monaten Konkurrenz in Sachen Flair: Schon morgens sitzen Gäste an kleinen Tischen in der Sonne vor dem Immersatt, trinken italienischen Cappuccino und essen französische Croissants. Mittags kommen die Angestellten der umliegenden Büros in den Schatten an der Liebigstraße 26. Am schönsten ist es abends, wenn die Sonne wieder auf die Bistrotische scheint. Nachbarn trinken einen Absacker oder drei, der Kellner des Restaurants nebenan klimpert kurz auf der Gitarre oder plaudert mit den Stammgästen.

Qualität vor Eile

Die meisten Besucher trinken an heißen Sommerabenden Wein, wer Cocktails will, dem mixt Geschäftsführer Yann Clement etwas zusammen. Auf der Karte stehen sie nicht. Die ist bewusst klein gehalten, das Sortiment wächst noch. Qualität gehe vor Eile, sagt Clement. Obligatorische Sommer-Drinks wie Hugo oder Aperol Spritz gibt es auch, aber stattdessen sollte man Andree (5,50 Euro) probieren. Aperol, Grapefruitsaft und Gin erfrischen herbfruchtig, ohne zu stark zu sein. Wem der Sinn nach weniger steht, sollte den Rosé aus dem Languedoc probieren (0,1 Liter/ 3 Euro) oder Craft Bier (3,50 Euro).

Die Mischung aus französischen und italienischen Einflüssen zieht sich im Immersatt durch: Croissants, Brioches, Weine und Rindfleisch fürs ausgezeichnete Tartare (15,50 Euro) kommen aus Frankreich, Schinken, Kaffeebohnen und der halbgefrorene süße Café Crema aus Italien. Geschäftsführer Clement stammt aus der Normandie und lebte sechs Jahre in Parma, bevor er nach München kam. Dreieinhalb Jahre lang arbeitete der 33-Jährige im Restaurant Les Cuisiniers, dann wurden die Räume nebenan frei. Clements Chef Jean-Marc Ferrara schlug zu, ein Jahr haben sie am Konzept gearbeitet und renoviert.

Die Bar soll entspannter Treffpunkt sein, die Restaurantküche liefert warme Speisen, alles Frische bereitet Clement zu. Die Deko ist noch etwas provisorisch, Tische aus Holz und Stahl, schwarz-weiße Fotodrucke auf weißen Wänden – außergewöhnlich ist das nicht. Macht nichts, das Immersatt lebt vom südländischen Flair und dem Gefühl der entspannten Entschleunigung.