Surfers Paradise

Wo Surfer sind, muss es auch einen passenden Hangout geben. Nachdem es die Eisbachwelle schon vor Jahren zu Weltruhm gebracht hat, gibt es nun endlich auch ein Lokal für die Münchner Wellenreiter.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis in München eine Surfer-Kneipe aufmacht. Der Hype um die Eisbachwelle scheint seit Jahren nicht abzuebben. Im Gegenteil, spätestens seit dem Dokumentarfilm Keep Surfing fühlt sich München als “Hauptstadt des River-Surfens”, so wird es zumindest in dem Film propagiert.

Da ist es nur konsequent, das es nun ein passendes Lokal zu diesem Lebensgefühl gibt. Surflegende Uli Richter hat im Juli 2011 das Arts’n’Boards in Schwabing eröffnet. Es will eine Mischung aus Bar, Restaurant und Kunstgalerie sein und wirbt mit dem Spruch: “Ein Treffpunkt für alle die Wellen und Bretter lieben.”

Als wir das Arts’n’Boards zum ersten Mal betreten, sind wir durchaus positiv überrascht. Von außen sieht das Lokal, das direkt an der belebten Belgradstraße liegt, nämlich nicht sehr einladend aus. Doch innen empfängt einem ein helles, freundliches Ambiente, ein gemütlicher Holzboden, eine bunt bemalte Bar und viel Kunst an der Wand. Zu unserer Überraschung entdecken wir dann auch einen kleinen Garten im Innenhof, in dem wir dann auch umgehend Platz nehmen.

Als Apertiv bestellen wir einen Aperol Sprizz (5 Euro) und einen Hugo (5,50 Euro). Nachdem wir es geschafft haben, uns auf der etwas unübersichtlichen Karte zurechtzufinden, wählen wir Ziegenkäse (6,90 Euro) und Rucola Ravioli (6,90 Euro) als Vorspeise. Der Käse wird in einem Einmachglas serviert und hat eine streichzarte Konsistenz. Man isst ihn zu dem dazu servierten Schwarzbrot. Nicht besonders originell, aber es schmeckt. Der in Balsamico marinierte Rucola ist mit Kumquats (kleinen orangenähnlichen Zitrusfrüchten) und Steinpilzravioli kombiniert und ein perfekter Appetizer.

Als dann die Terrassensperrstunde naht und alle Gäste, die draußen sitzen, nach drinnen umziehen müssen, kommt ein wenig Chaos auf. Kellner und Küche scheinen kurzfristig mit den Bestellungen nicht mehr hinterherzukommen, doch dann pendelt sich alles wieder ein und wir bekommen endlich unseren Weißwein, einen Bianco di Custoza (4,30 Euro für 0,2 Liter).

Das Publikum im Arts’n’Boards entspricht übrigens haargenau dem Surfer-Klischee, das man im Kopf hat: Die Jungs tragen Baggy-Pants, bunte T-Shirts und Wollmützen auf den langen Haaren, die Mädels Miniröcke oder Hotpants, lange Zöpfchen und Träger-Tops. Im Restaurantbereich sitzt eine Gruppe an einer langen Tafel, die aussieht, als wäre sie gerade vom Wellenreiten am Eisbach gekommen. Im vorderen Bereich des Lokals gibt es übrigens gemütliche Sofas und Sessel, sozusagen einen Loungebereich, der zum Rumfläzen einlädt. Hier kann man auch mal nur für einen Drink vorbeischauen.

Herausragendes Süßkartoffelgratin

Als Hauptgang haben wir Zander (13,80 Euro) und Steinpilzravioli (9,80 Euro) geordert. Der Fisch ist in Gin Butter geschwenkt und wird mit Ingwer-Spinat und Süßkartoffelgratin serviert. Das Zanderfilet ist gut, aber weitaus herausragender ist das Süßkartoffelgratin. Der Spinat passt zu der Kombination, doch wirkt er im Vergleich zu den anderen beiden Speisen fast etwas plump.

Bei den Steinpilzravioli stellt sich heraus, dass es die gleichen sind, die vorher auf der Vorspeise den Rucola begleitet haben. Doch in diesem Fall macht es uns weniger, da der Vegetarier von uns beiden, der die Ravioli bestellt hat, vorher den Ziegenkäse gegessen hat. Die Steinpilzravioli sind in Nussbutter gebraten und werden mit Kirschtomaten und einer Weißwein-Thymiansoße serviert. Es schmeckt uns.

Das Arts’n’Boards hat schon ab 11.30 Uhr geöffnet. Am Mittag werden Gerichte für 6,90 Euro und 9,60 Euro angeboten. Da gibt es beispielsweise einen Big-Kahuna-Wrap, Penne mit Lachs-Sahnesauce oder ein Rinderhüftsteak mit Polenta und gegrilltem Gemüse.

Und obwohl wir schon ziemlich satt sind nach diesen beiden Gängen, teilen wir uns noch ein Dessert: Stracciatellamousse auf Orangen-Rosmaringelee (5,20 Euro) – eine gute Kombination aus süß und sauer, die das Essen sehr gut abrundet, wenn auch das Orangen-Rosmaringelee durchaus etwas weniger fest hätte sein können.

Am Ende des Abends sind wir satt, müde und zufrieden. Das Arts’n’Boards ist ein nettes Lokal, das die Münchner Gastroszene mit einer erfrischenden, neuen Idee auflockert. Das Einzige, was ihm noch fehlt, ist ein bisschen Patina und mehr Charisma. Man merkt, dass das Restaurant noch sehr neu ist. Doch in diesem Fall arbeitet wohl die Zeit für das Arts’n’Boards . Kommt Zeit, kommt Lässigkeit.

Arts’n’Boards, Belgradstr. 9, 80796 München, Telefon 089/30658490; Geöffnet Mo-Sa, 10 bis 1 Uhr www.arts-and-boards.de