Eigentlich ist das Lokal gemütlich und dezent ausgeleuchtet. Die Sprüche an der Wand wirken im Spaten Sepp aber durchaus albern. (Foto: Catherina Hess)

Traditionelle Kost aus Überbayern

Regionale Zutaten und guter Service: Beim "Spaten Sepp" stimmt vieles, nur die Einrichtung ist Geschmackssache.

In den vergangenen paar Jahren haben in München einige gute bayerische Restaurants aufgemacht, die zum Teil mit den Traditionen spielen, indem sie diese mit modernen Elementen anreichern, sowohl in kulinarischer Hinsicht als auch bei der Einrichtung. Das bringt Abwechslung in die Wirtshauslandschaft, betrieben werden die Lokale oft von jungen Teams.

Auch Josef Sperl ist so ein junger Wirt, der gerade am Durchstarten ist. Sperl, Jahrgang 88, ist gebürtiger Straubinger, gelernter Koch und Hotelbetriebswirt. Er betreibt seit diesem Jahr schon zwei Wirtshäuser. Ganz frisch hat er den Ayinger am Rotkreuzplatz eröffnet, bereits seit Februar gibt es den Spaten Sepp. Schon der Name des Lokals zeugt von Selbstbewusstsein, sowohl seitens der Brauerei als auch des Wirts, der sich gleich selber mit verewigt hat.

Im Spaten Sepp spielt die Moderne allerdings keine Rolle. Hier ist alles sehr auf Folklore ausgerichtet, die Dekoration besteht zum Teil aus Brotzeitbrettln und Bierflaschen, eine historische Zeichnung der Spaten-Brauerei darf nicht fehlen. Dazu kommen übers Lokal verteilte Sprüche an der Wand, über die man geteilter Meinung sein kann und die den Eindruck erwecken, da habe irgendein Marketingmensch alles ausgepackt, was ihm an Bayern-Klischees so eingefallen ist.

Der alte Spruch "Hog di hera, samma mehra" ist nur ein Beispiel von mehreren. Mag sein, dass der Bayer gerne mal im Wirtshaus hockt, aber "hoggen" sieht man ihn eher selten, nicht mal in Niederbayern. Das Wirtshaus, das mit seiner hellen Holzvertäfelung und den massiven Tischen eigentlich gemütlich eingerichtet ist, wirkt durch so eine flächendeckende Bayerntümelei per Wand-Tattoo eindeutig überfrachtet. Weitere Beispiele seien hier ausgespart.

Aber gut, man ist ja zum Essen hier, und auf der Außenterrasse an der Kreuzung Dreimühlen-/Ehrengutstraße ist es im Sommer eh gemütlicher. Um mit dem Service anzufangen: Der ist auf Zack, lange Wartezeiten haben wir auch bei Hochbetrieb bei keinem unserer Besuche erlebt.

Zum Essen: Die Karte ist positiv überschaubar, zum Zeitpunkt unserer Besuche standen vier Brotzeit-Schmankerl auf der Karte, neun Hauptgerichte, zwei Suppen und drei Desserts. Dazu kommen noch wechselnde Tagesgerichte. Beim Spaten Sepp wird dabei auf hochwertige Zutaten geachtet. Das Fleisch kommt vom angesehenen Straubinger Traditionsbetrieb Wenisch, das Brot von der Maxvorstädter Bio-Bäckerei Julius Brantner. Da macht man nicht viel verkehrt, und die Qualität schmeckt man auch. Der Schweinebraten (14,50 Euro) etwa, der zwar ohne (in den meisten Fällen verzichtbare) Kruste, dafür mit zwei vorbildlich mit buttrigen Semmelbröseln verfeinerten Kartoffelknödeln kam, war ordentlich saftig.

Die Soße dazu war aber leider etwas wässrig. Recht gefällig war auch der Zwiebelrostbraten (20,50), der auf den Punkt medium gebraten war und mit sautierten Bohnen und perfekt zubereiteten Bratkartoffeln serviert wurde. Punktabzug gibt es hier allerdings wegen der extra gereichten, kalten und trockenen Röstzwiebeln, die man so auch aus Kantinen kennt. Solche Zwiebeln verunzierten auch die sonst sehr guten Käsespätzle (11,50). Überhaupt die Spätzle: Die können sie beim Spaten Sepp, sie werteten auch das butterweich geschmorte Ochsengulasch (15,50) auf. Dezent gewürzt und eine Empfehlung wert war auch das Rindertatar (9,50). Wer lieber Fisch mag, dem sei die geräucherte Forelle (17,50) von der Fischerei Schliersee empfohlen, die mit einem knackigen Salat serviert wurde.

Was die Salate angeht: Sie überzeugten durchweg durch ihre Frische. Sie bestanden aus gemischtem Blattsalat, Rohkost-Gemüse, Körnern, Kresse und Croûtons, dazu konnte der Gast zwischen vier verschiedenen Toppings wählen: sehr zarte Ochsenfetzen, (leider etwas trockene) Backhendl-Streifen, Ziegenkäse und Birne sowie gebratene Schwammerl (13,50 bis 14,50, je nach Topping). Dazu konnten wir zwischen einem Kürbiskernöl- und einem Apfel-Holunder-Dressing wählen. Auch die leichte und feinwürzige Karotten-Ingwer-Suppe (6,50) überzeugte. Die kleine und recht feste "Quinoa-Praline" darin ist wohl ein Zugeständnis an den anhaltenden Superfood-Hype. Enttäuscht waren wir dagegen von den recht faden Spinatknödeln (11,50), die nur der Beilagensalat rettete.

Die Auswahl regionaler Zulieferer wird übrigens auch bei den Schnäpsen (Lantenhammer ) und beim Kaffee (Dinzler) beibehalten. Wer das Spaten-Bier vom Fass (4,10) partout verschmäht, kann sich ein Bio-Bier von der Dachauer Schlossbrauerei (4,30) bestellen oder auf Wein – sechs weiße und drei rote Sorten aus Deutschland oder Österreich, 18 bis 32 Euro die Flasche – ausweichen.

Insgesamt macht der Spaten Sepp vieles richtig. Trotzdem hatten wir sowohl von der Speisekarte als auch vom Ambiente her ein bisschen den Eindruck, es handle sich um ein touristisches Kettenlokal in einem Freizeitpark namens Überbayern. Zum Folklore-Overkill im Inneren fällt einem als Bayer nur ein: Wer's mag, für den is des Höchste.