Das Lokal Taklamakan bietet uigurische Spezialitäten. (Foto: Stephan Rumpf)

Uigurisch essen

Vom Bahnhofsimbiss zum modernen Restaurant: Das uigurische Lokal Taklamakan präsentiert sich am Isartorplatz mit deutlich mehr Platz. Aber das gewohnte kulinarischen Konzept bleibt.

Über die Uiguren ist in jüngster Zeit wieder viel berichtet worden. Über ihre systematische Verfolgung durch die chinesische Regierung und darüber, wie sie zu Hunderttausenden in Umerziehungslager gesperrt werden. Viele Familien sind in der Vergangenheit geflüchtet, in keiner europäischen Stadt leben mehr Exil-Uiguren als in der bayerischen Landeshauptstadt. Etwa 700 sind es, ihre politische Stimme ist der Uigurische Weltkongress, der ebenfalls seinen Sitz in München hat.

Eigentlich sollte eine Kostprobe ja nicht mit einem politischen Thema anfangen, aber unerwähnt sollte nicht bleiben, dass auch das Restaurant Taklamakan von einer aus der chinesischen Provinz Xinjiang geflüchteten Familie gegründet wurde. 1997 kam die Familie der heutigen Chefin Rinat Rahim nach München, Rinat war damals gerade acht Jahre alt. 2006 schließlich eröffnete ihr Vater gegenüber vom Hauptbahnhof ein kleines Imbiss-Lokal, das bald eine treue Stammkundschaft bekam. Wer kannte damals schon uigurische Küche, die der türkischen näher steht als der chinesischen? Und wer hatte jemals gesehen, wie Nudeln per Hand gezogen werden?

Im Taklamakan, das nach der riesigen Sandwüste in Xinjiang benannt ist, konnte man der Mutter von Rinat Rahim beim Nudelziehen zuschauen – was neben dem Essen die Attraktion des Hauses war. Dass diese traditionelle Art der Zubereitung viel Erfahrung und Geschick erfordert, war vor vier Jahren in einer Folge der TV-Sendung "Kitchen Impossible" zu sehen, als sich der Sterne-Koch Juan Amador im Taklamakan vergeblich am Nudelteig abmühte und erst mit Hilfe der Köchin halbwegs reüssierte.

Im vergangenen Herbst ist das Taklamakan von der Bayerstraße ans Isartor umgezogen. Und auch wenn inzwischen Rinat Rahim zusammen mit ihrem Mann das Geschäft führt, ist ihre Mutter nach wie vor Chefin in der Küche. Wer ihr heute beim Nudelziehen zusehen will, muss allerdings mit Clips im Internet vorlieb nehmen, die Küche am neuen Standort ist nicht mehr einsehbar.

Dafür ist das Lokal sehr schick geworden. Auf zwei Ebenen verbreitet sanft ausgeleuchtete Backsteinoptik eine gemütliche Atmosphäre. Einige Tische im ersten Stock bieten durch das Panoramafenster einen Blick auf den Isartorplatz. Im Erdgeschoss können sich die Gäste auch an der Bar niederlassen. Insgesamt ist das Restaurant geschmackvoll und dezent dekoriert. An den alten Imbiss am Hauptbahnhof erinnern nur noch ein paar Bilder – und natürlich das Essen.

Das ist noch immer so traditionell wie eh und je und ist irgendwie ein kulinarisches Kontrastprogramm zu den modernen, stylischen Räumen. Die Schärfe der Speisen wird auf der Karte mit ein bis drei Feuer-Symbolen angezeigt. Natürlich bestellten wir uns die Spezialität des Hauses, "Lagman" (13,90 Euro), das sind die handgezogenen Weizennudeln mit Gemüse und Rindfleisch. Die breiten Nudeln, die nach der Bestellung frisch zubereitet werden, waren angenehm bissfest, die Sauce nur zurückhaltend gewürzt, es dominierten vor allem Zwiebel und Paprika.

Wer es etwas peppiger mag, dem sei die Lagman-Variante mit zwei Feuerchen empfohlen, die übrigens auch für den europäischen Gaumen gar nicht mal so superscharf ist. Deutlich feuriger und dabei sehr köstlich ist das Tohu Kordak (15,90), die Nudeln mit karamellisiertem Hühnerfleisch und Gemüse. Diese Spezialität ist eher etwas für routinierte Scharfesser. Viele der von uns probierten Hauptgerichte ähnelten sich in der Würzung, so unterschieden sich auch die guten gebratenen Lammnierchen (19,90) aromatisch kaum vom scharfen Lagman.

Einen Ausreißer machten dagegen die stark nach Kreuzkümmel schmeckenden und für unseren Geschmack etwas überwürzten Lammspieße (14), die im Taklamakan leider etwas lieblos ohne Beilagen serviert werden. Reis (3,50 die Portion) und einen gemischten Salat mit einer köstlichen Sesamnote (7,90) orderten wir also extra. Überhaupt waren es die Kleinigkeiten, die uns im Taklamakan Spaß machten. Der Gurkensalat mit Koriander und Sesamöl etwa (7,90), die Kartoffelstreifen mit Szechuan-Pfeffer und Sojasoße (7,90), die "Samsa" (3,50), eine mit Rindfleisch gefüllte Teigtasche oder "Kisartma Tügrä" (12,90), gebratene Teigtaschen mit Rindfleisch- und Gemüsefüllung.

Der gebratene und genau richtig bissfeste Brokkoli als Hauptspeise (13,90), serviert mit einer Knoblauch- und Ingwersoße, überraschte wegen seiner puristischen Präsentation, die sicher auch Geschmackssache ist. Insgesamt aber überzeugten uns die ordentlich gemachten, relativ einfachen Gerichte, deren Preise allerdings deutlich über Imbiss-Niveau hinausgehen. So mancher motzt darüber im Netz – aber das Preisniveau ist wohl der neuen Location geschuldet und aus unserer Sicht gerechtfertigt.

Höchst erfreulich war übrigens auch die fair kalkulierte Weinkarte. Wir wählten eine Flasche "Helle Freude" vom Weingut am Stein für vertretbare 22,50 Euro. Die fruchtig-spritzige Cuvée passte bestens zur asiatischen Küche. Und weil bei allen Besuchen der Service flott und freundlich war, kommen wir gerne wieder. Es steht noch einiges zu kosten an.

Adresse: Isartorplatz 4, 80331 München, 089/95866686, Ö ffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.30 bis 23 Uhr, Mittagskarte bis 14 Uhr, info@taklamakan-restaurant.de