Traditionskneipe in Schwierigkeiten

Die Schwabinger Traditionskneipe “Rheinpfalz” hat Probleme mit der Pacht – im März wird über die Zukunft verhandelt

In Schwabing sind Kneipen nicht einfach nur Kneipen, in Schwabing sind Kneipen Institutionen. Zumindest war das ungefähr die letzten 150 Jahre so; es gibt ja immer weniger richtige Kneipen und demnach auch immer weniger Institutionen. So war die Aufregung rund um den Elisabethplatz und bei den Stammgästen groß, als es hieß: “Die Rheinpfalz muss schließen!” Es drohte eines der letzten Refugien des Künstlerviertels und der Veteranen von 1968 zu verschwinden: Die Gaststätte an der Kurfürstenstraße 35 war in eine finanzielle Schieflage geraten, wegen des heißen Sommers. “Wir haben wegen des Radwegs keine Freischankfläche”, sagt Wirt Hans Karp, “und da gehen die Leute im Sommer halt lieber in den Biergarten.”

Das hatte schließlich auch zu Problemen mit der Brauerei Hacker-Pschorr und dem Hausbesitzer, der Bayerischen Hausbau, geführt – beide gehören zur Unternehmensgruppe Schörghuber. Schon war die Rede davon, dass die Rheinpfalz Ende April dichtmachen müsse. “Das Lokal ist in einer schwierigen Lage”, bestätigt Birgit Zacher, Sprecherin von Hacker-Pschorr, “man muss sich überlegen, wie es weitergehen soll.” In nächster Zeit sei aber nicht geplant, den Pachtvertrag zu kündigen.

Warum die Rheinpfalz so heißt, wie sie heißt, weiß heute niemand mehr. Wirt Hans Karp, 75, den alle Gäste nur Hänsel nennen, hat die Gaststätte 1971 übernommen und steht seitdem hinter dem Tresen. Karp hatte damals Betriebswirtschaft studiert, dann erfuhr er, dass der damalige Betreiber nach Indien gehen wollte und die Rheinpfalz somit zu haben war. “Ein paar Jahre könnte man das schon machen”, dachte sich Karp und bewarb sich um das Lokal. Er erhielt den Zuschlag, und dieses Jahr im September sind es 48 Jahre her, dass Hänsel Rheinpfalz-Wirt geworden ist.

Über die Jahrzehnte hinweg hat sich die Kneipe kaum verändert und ist vielleicht gerade deswegen zur Institution für die Reste an Schwabinger Boheme geworden. Viele der einstigen Gäste, etwa der Kabarettist Kurt Weinzierl, sind längst gestorben. Künstler wie der Bildhauer Olaf Metzel, der lange an der Kunstakademie lehrte und zeitweise ihr Präsident war, ist ebenso Stammgast wie seine Präsidiumsnachfolger Nikolaus Gerhart und Dieter Rehm. “Auch der halbe soziologische Lehrstuhl ist da”, sagt Wirt Hänsel, “und die Musikhochschule.” Der Rockgitarrist Nick Woodland, in Musikerkreisen ein viel gefragter Spezialist für alles, was sechs Saiten hat, kehrt beinahe jeden Abend um halb elf ein, um ein Glas Wein zu trinken und dann wieder zu verschwinden. Selbstverständlich wird auch gescheit dahergeredet an den Tischen, wie sich das gehört, und der Wirt sagt nicht ohne Stolz: “Wir sind die Kneipe mit dem höchsten IQ der Stadt.” Köchin Barbara Schrein ist studierte Politologin, sie kocht eine gänzlich unakademische Karte von Tomatensuppe “provençale” über Schweineschnitzel “Wiener Art” bis hin zu Krautwickerl mit Kartoffelpüree, und bei der Weinkarte ist es auch herzlich wurscht, welche Hanglage und welches Terroir das Getränk aufzuweisen hat.

Traditionsgaststätten dieses Kalibers sind auch für das Image einer Brauerei ganz gut, und so ist Birgit Zacher recht froh, dass sie vermelden kann: “Die Hausbau will sich Mitte März mit dem Wirt zusammensetzen, um zu besprechen, wie es weitergehen kann.”