Ungarische Restaurants sind Mangelware in München

Heute gibt es nur noch einen Marktstand mit Imbiss. Wer zu anderen Zeiten Appetit auf Gulaschsuppe und Langoschfladen hat, wird erst außerhalb der Stadtgrenzen fündig.

In einem Bundesland, dessen wichtigste Regierungspartei so innige Beziehungen zu Ungarns oberstem illiberalen Demokraten Viktor Orbán pflegt, hätte man schon ein paar mehr kulinarische Vertretungen erwartet. Tatsächlich aber hätten es die CSU-Oberen schwer, ihren Ehrengast für mehrere Parteitage mit heimischer Kost in der bayerischen Landeshauptstadt zu beglücken. Hier gibt es nämlich keine richtigen ungarischen Restaurants mehr.

Immerhin, auf dem Viktualienmarkt an der Frauenstraße steht das Paprikahaus, in dem man dienstags bis samstags zwischen elf und 17 Uhr ungarische Spezialitäten bekommt. Dort gibt’s, klar: Gulaschsuppe, Langoschfladen, Wollschweinsalami und allerhand andere Leckereien. Aber eigentlich ist das Paprikahaus halt doch ein Marktstand.

Früher gab es mal das Csárda Piroschka im Haus der Kunst, benannt nach dem Roman “Ich denke oft an Piroschka” von Hugo Hartung. Der träumte später mal davon, in diesem Restaurant endlich “Szeretlek – ich liebe dich” zu seiner Romanfigur zu sagen: “Und das würde dann für beide gelten: Für Piroschka und Piroschka.” Später war da noch das Gundel, benannt nach dem Budapester Spitzenkoch Karl Gundel, im Hungar-Hotel am Hauptbahnhof. Aber auch das ist längst Geschichte.

Immerhin, außerhalb der Stadtgrenzen findet man in Gröbenzell das Balaton Retro (Augsburger Straße 31) mit fast allen Köstlichkeiten, die Ungarns Küche zu bieten hat, mit zahlreichen Gulaschvariationen, Karpfensuppe, Langosch und anderen mehr oder minder paprikascharfen Gerichten. Leider steht dort keine Dobostorte auf der Karte – ein zuckersüßer Traum aus sieben Biskuit- und sechs Schoko-Buttercremeschichten. Dafür aber wenigstens Schomlauer Nockerln oder Palatschinken. Auch nicht ohne.