Unionsbräu-Pächter droht: “Dann war’s das für mich”

Die Stadt hat den Pächter des Unionsbräu wegen Mietrückständen verklagt. Vor Gericht geht es auch um Fragen, die die Existenz des Wirtshauses berühren.

Die Richterin schaut ein bisschen verzweifelt, dann sagt sie: “Jetzt habe ich auch keine Idee mehr”, und das ist vielleicht der Satz, der die Situation am besten beschreibt, die Situation des alteingesessenen Unionsbräu in Haidhausen : Groß war die Hoffnung, als der Laimer Gastronom Igor Divjak das Wirtshaus im Jahr 2015 übernahm – da stand es schon drei Jahre leer, bei der Stadt, der die Immobilie gehört, war die Erleichterung mit Händen zu greifen, endlich einen Nachfolger für den Wiesnwirt Ludwig Hagn gefunden zu haben. Nun ja – der damals geschlossene Fünf-Jahres-Vertrag ist zur Hälfte abgelaufen, jetzt stehen sich Verpächter und Pächter, Stadt und Divjak, vor dem Landgericht gegenüber. Und die Richterin weiß auch nicht mehr, wie sie die Streithähne zusammenbringen soll.

In dem Prozess klagt die Stadt auf 30 000 Euro an Mietrückständen, die sie von Divjak fordert. Der allerdings sagt, für das erste Jahr des Mietverhältnisses habe ihm die Stadt 50 Prozent der Grundpacht erlassen, aber davon wolle sie jetzt nichts mehr wissen. Die Vertragssituation ist allerdings wohl eher ungünstig für ihn – jedenfalls deutet die Richterin bald an, dass die Stadt in diesem Punkt wohl erfolgreich sein werde.

In der Verhandlung aber stellt sich schnell heraus, dass das nur der Anfang der Probleme ist. Schon Ludwig Hagn hatte beklagt, dass die Wirtschaft an sich durchaus rentabel sei, es sei aber praktisch unmöglich, das ganze riesige Gebäude mit 2000 Quadratmetern Nutzfläche, zahllosen Nebenräumen, drei Ober- und zwei Kellergeschossen gewinnbringend zu bewirtschaften. Igor Divjak hat deshalb in seinem Vertrag ausgehandelt, dass er Teile des Hauses untervermieten darf. Doch wie das gehen soll, darüber gehen die Meinungen zwischen ihm und der Stadt deutlich auseinander.

Divjak sagt, er brauche Rechtssicherheit, sonst würde sich kein Untermieter auf eine Unterschrift einlassen. Bis jetzt aber behalte sich die Stadt – beziehungsweise die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG, die die Verwaltung übernommen hat – das Recht vor, die Untermiet-Genehmigung jederzeit zu widerrufen. Die Vertreter der GWG halten dagegen, dass es der Stadt aus denkmalschützerischen, baurechtlichen und überhaupt “hoheitlichen” Interessen wichtig sei, mitbestimmen zu können, wer im Unionsbräu was veranstalte.

An diesem Punkt der Verhandlung könnte eigentlich der gesunde Menschenverstand einsetzen – er könnte sagen, dass es doch möglich sein müsste, ein solches Verfahren zu installieren, das beiden Parteien gerecht wird: Divjak bringt einen Untermieter, der legt ein Konzept vor, die GWG und die zuständigen Stellen im Rathaus prüfen, ändern und genehmigen es. Doch so einfach ist es nicht.

Denn die Richterin hat ja schon früh gesagt, dass sie den eigentlichen Prozessgegenstand, die 30 000-Euro-Forderung der Stadt, für gerechtfertigt hält, dass die Klage also erfolgreich sein wird. Und da können die GWG-Vertreter noch so beteuern, ihnen sei sehr an einer auskömmlichen Fortsetzung des Mietverhältnisses gelegen – ihr Anwalt sagt, darum gehe es ja nicht, es gehe in diesem Prozess um die 30 000 Euro und nicht um Änderungen des Mietvertrags. Die geforderte Summe zu bezahlen, sagt Igor Divjak im Laufe der Verhandlung zu.

Alles geklärt ist freilich dennoch nicht – weshalb die Richterin nun Zeit zu gewinnen versucht, indem sie eine Frist zur weiteren Einreichung von Schriftsätzen gewährt. Auf diese Weise kann sie hoffen, dass die Streithansel doch noch in den verschiedenen Punkten zueinanderfinden. Und so sollen sich alle am 11. Dezember erneut im Justizpalast treffen, und weil auch noch einige Nebensächlichkeiten zu klären sind, wird dann keine Entscheidung verkündet, sondern weiter verhandelt werden. Die Richterin schlägt dem Wirt vor, es sei vielleicht am gescheitesten, er würde einen Untermieter und dessen Konzept präsentieren, dann würde sich die GWG vielleicht leichter tun mit der Genehmigung. Woher nehmen und nicht stehlen, meint Divjak darauf: Drei Jahre hat die Stadt mit all ihren Ressourcen ja gebraucht, bis sie ihn gefunden habe. Und er soll jetzt in sechs Wochen jemanden auftreiben? Rund eineinhalb Jahre läuft der Mietvertrag noch – “wenn die mich weiter so triezen, dann war’s das für mich”, sagt Divjak. Fraglich, ob sich dann noch einmal ein Gastronom bereit erklären würde, das alteingesessene Unionsbräu zu übernehmen.