Vegane Küche auf Wanderschaft

Die Macherinnen von "Urban Pop Up Food" sind für den Gastro-Gründerpreis nominiert – die Idee für das Konzept entstand aus einer Zwischennutzung.

Dieses Wochenende hätten sie eigentlich in Hamburg verbringen sollen. Denn Daniela Weinhold und Nastasia Broda waren nominiert für die Endrunde des deutschen Gastro-Gründerpreises, und die letzten Fünf treten mit ihren Konzepten traditionell auf der Ernährungsmesse Internorga in Hamburg gegeneinander an. Doch die Messe wurde nun wegen des Coronavirus auf Mitte Juni verschoben. Es heißt also, noch ein wenig zu warten, bis die Entscheidung fällt.

Ein bisschen gewundert haben sich die beiden jungen Frauen sowieso. "Wir denken Gastronomie ja komplett anders, als es normalerweise üblich ist", sagt Daniela Weinhold, "eigentlich passt das überhaupt nicht ins Schema." Die 27-Jährige hat das kleine Unternehmen "Urban Pop Up Food" im Mai 2018 im Alleingang gegründet, kurz danach kam Nastasia Broda dazu. Wobei: "Gegründet" ist eigentlich auch schon wieder ein zu großes Wort. Es fing damit an, dass Weinhold in der Amalienstraße 53 drei Monate lang ein veganes Frühstückscafé mit dem Namen Nudo betreiben sollte, bevor das Haus renoviert wurde. Nudo wurde ein Riesenerfolg, die Anfangsinvestitionen waren in kürzester Zeit wieder erwirtschaftet. Und da dachte sich die studierte Medien- und Designmanagerin: Warum eigentlich nicht eine Firma draus machen?

So entstand "Banana Leaf": Ein Gastro-Konzept, bei dem es vor allem um veganes Frühstück ging. Schon bald stieß Nastasia Broda dazu, die Stadtplanung und Geoökologie studiert hatte, aber eigentlich viel lieber in der Gastronomie arbeiten wollte: "Ich habe schon mit 16 gekellnert und mir mein ganzes Studium damit finanziert." Die 35-Jährige steuerte das Konzept "Knolle & Kohl" bei, bei dem es mehr um Catering und baskische Tapas ging, ebenfalls auf veganer Basis. Und vorwiegend abends, von November bis Februar. Die beiden stellten schnell fest, dass sie sich gut ergänzen. "Nasti ist gerne ganz vorne, bei den Gästen", sagt Daniela Weinhold, "wohingegen ich glücklich bin, wenn ich mich in die Küche verziehen kann."

Zusammen zogen sie dann Urban Pop Up Food auf. Die kleine Firma lebt davon, dass sie keinen festen Ort hat, sondern sozusagen in der Gegend herumwandert. Mal machen sie sonntags Brunch im Josefa im Westend, dann wieder 14 Tage Mittagstisch im Restless in der Maxvorstadt oder Abendessen im Import-Export im Kreativquartier an der Dachauer Straße oder auf der Alten Utting am Rande der Isarvorstadt.

Weinhold und Broda lieben an ihrem Job vor allem die Abwechslung. "Wir nutzen ja fast nur Flächen, die normalerweise geschlossen haben", sagt Weinhold. Und wenn eine Bar oder ein Laden nur ein Waschbecken zur Verfügung hat statt einer Küche, dann wird man auch damit fertig. Einfälle muss man halt haben. Und die Lage am Ort kennen. Die beiden arbeiten mit Bioläden und lokalen Unternehmen zusammen an den Orten, wo sie mit ihrem veganen Catering gebucht werden, und sie sind ganz glücklich über die Unterstützung, die sie dabei erfahren. "Ich hätte anfangs nicht gedacht", sagt Daniela Weinhold, "dass die Locations tatsächlich zu uns kommen. Die müssen nicht wir suchen, die werden uns richtiggehend angeboten."

Nun sind sie gespannt, ob sie in dem deutschlandweiten Wettbewerb um den Gastro-Gründerpreis im Juni punkten können. Gut beschäftigt sind sie auch so, trotz Corona-Krise. Denn sie haben gleich noch ein anderes Start-up gemeinsam aufgezogen. "Shquared" heißt es, und dabei geht es um gemeinsam genutzte Gewerbeflächen.