Vegetarier auf Probe

Im Restaurant Vegelangelo gibt es nur fleischlose Gerichte. Ein Albtraum für alle Nicht-Vegetarier? Auf gar keinen Fall. Das fremde Terrain überrascht.

Das Vegelangelo ist ein kleines Restaurant. Um nicht zu sagen ein Kleinst-Restaurant. Sitzplätze gibt es wohl für maximal 20 Personen, auf die Tische kommt nur fleischlose Kost. Die warmen Wandfarben verbreiten ein mediterranes Flair und irgendwo im Hintergrund scheint eine Duftkerze für angenehmen Wohlgeruch zu sorgen.

Wir haben reserviert. Vorsichtshalber. Nötig wäre das nicht gewesen. Dank der Reservierung haben wir aber Stoffservietten bekommen. Die Bedienung ist freundlich, begrüßt uns mit einem Lächeln und nimmt uns unsere Jacken ab. Hier scheint der Kunde noch König zu sein.

Es gibt vegetarische Gerichte aus Großmutters Küche, Feines aus aller Welt und Pasta. Allzu umfangreich ist die Karte nicht. So bleibt uns minutenlanges Lesen der angepriesenen Köstlichkeiten erspart. Nichtsdestotrotz verbringen wir eine gefühlte Ewigkeit mit dem Auswählen unseres Menüs. Denn verlockend klingt das meiste. Aber wir wollen heute nicht irgendetwas essen, sondern etwas Besonderes.

Als Vorspeise bestellen wir Miso-Suppe mit Algen, Gemüse und Tofu (4,80 Euro) sowie eine Lemongras-Cocos-Suppe mit Linsenfalden (5,80 Euro). Beides vegan.

Erstere hinterlässt einen gewöhnungsbedürftigen Geschmack im Mund. Eine Miso-Suppe trifft nicht jedermanns Gusto, ist aber einen kulinarischen Ausflug wert. Die Lemongras-Cocos-Suppe schmeckt dagegen vorzüglich und der Teller wird nahezu leer gekratzt.

Als Hauptgang wählen wir Fettuccini in Trüffelbutter mit schwarzen Trüffeln, Parmesan und Pinienkernen (18,80 Euro), sowie Trüffel-Steinpilz-Risotto mit Parmesan und Pinienkernen (18,80 Euro). Schon beim Servieren erklärt uns die Bedienung, dass sie uns gerne etwas einpackt, falls es uns zu viel wird.

Perfektes Timing der Bedienung

Einpacken? Die Portionen sehen schaffbar aus. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Doch nach einem halben Teller fangen wir an zu kämpfen. Die Trüffelbutter ist sättigend und auch mit dem Risotto haben wir zu kämpfen. Letztendlich geben wir uns geschlagen und nehmen das Angebot der Bedienung gerne an. Schließlich haben wir noch eine Nachspeise vor uns.

Doch dann kommt uns: Hat nicht schon die Oma immer gesagt, dass man Pilze nicht mehr aufwärmen darf? Die Kellnerin, die übrigens auch als Köchin fungiert, klärt uns auf: Das sei ein Ammenmärchen. Wenn das Gericht im Kühlschrank aufbewahrt und am nächsten Tag gut erhitzt werde, sei das gar kein Problem.

Als Nachspeise haben wir Schokokuchen mit rotem Schinuspfeffer (4,80 Euro) und ein Dessert-Potpourri aus drei Köstlichkeiten (6,80 Euro) gewählt. Doch bis es soweit ist, müssen sich unsere gefüllten Bäuche noch erholen. Das Timing ist perfekt. Die Bedienung scheint zu spüren, wann wieder Platz im Magen ist und bringt die Desserts.

Der Schokokuchen mit Pfeffer ist eine gewagte Kombination, die beim ersten Bissen auf Skepsis stößt und nach dem dritten Bissen den Gaumen glücklich macht. Das Dessert-Potpourri besteht aus einer Praline, einem kleinen Stück Schokokuchen mit Schinuspfeffer und einer Mangocreme. Eine Kombination, die für jeden Geschmack das Passende beinhaltet.

Gegen den Durst haben wir übrigens keinen Wein gewählt. Es kam uns aufgrund unserer Menüauswahl absurd vor. Es gab Apfel- und Holundersaft. Geschmäcker aus längst vergangenen Tagen, als Oma aus sämtlichen Früchten des Gartens Marmelade, Gelee und eben auch Saft gemacht hat.

Der Service der Kellnerin war den ganzen Abend wunderbar. Sie war nicht aufdringlich, hat uns aber auch nicht vernachlässigt. Hoch anzurechnen ist ihr das Gespür für den richtigen Zeitpunkt der einzelnen Gänge, das leider vielen ihrer Berufskollegen fehlt.

Nach fast drei Stunden verließen wir das Vegelangelo wieder: Gesättigt, überzeugt von der vegetarischen Küche und mit einem wohligen Gefühl im Magen.

Vegelangelo, Thomas-Wimmer-Ring 16, 80538 München, Telefon: 089/28806836, info@vegelangelo.de, www.vegelangelo.de



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