Viel Flair und ein paar Promis

Im italienischen Restaurant Seerose fühlt man sich nicht mitten in Schwabing, sondern irgendwo in der Toskana. Auch einige Promis speisen hier gern – und man hört die eine oder andere Anekdote.

Schwabing, das sei schon etwas ganz Besonderes. Einer der Kellner der Seerose steht am Eingang zum Restaurant und macht gerade Zigarettenpause. Melancholisch blickt er hinaus auf die Feilitzschstraße, in “sein” Viertel. Dann erzählt er dem Gast ein paar Anekdoten – und davon gibt es wirklich mehr als genug.

Die Seerose in der Feilitzschstraße in Altschwabing ist ein Italiener zum Wohlfühlen. Eingerichtet im Landhausstil mit rot-weiß-karierten Tischdecken und großen Korblampen verbreitet alleine das Interieur den Charme einer Trattoria in der Toskana. Erst recht im Sommer, wenn man auch noch ganz italienisch auf der Straße vor dem Lokal sitzen kann. Die Plätze hier sind allerdings schnell belegt, man sollte rechtzeitig reservieren – was wiederum weniger italienisch ist.

Kaum haben wir die Seerose betreten, werden wir gleich äußerst freundlich von einem der geschäftig herumwuselnden Kellner begrüßt und zu einem Tisch geleitet. Kaum haben wir die Getränke Sprizz (5 Euro) und ein Aqua Frizzante (0,75 Liter für 5,50 Euro) bestellt, bekommen wir auch schon Olivenöl, Salz und Brot vorgesetzt. Und so überbrücken wir die – nicht ganz kurze – Wartezeit, bis die Vorspeise kommt, mit Dippen und Nippen.

Wir wählen eingangs eine gemischte Vorspeisenplatte für zwei Personen (19 Euro). Darauf finden wir Büffelmozzarella mit Tomaten, gegrilltes Gemüse, Vitello Tonnato, Rindercarpaccio und Oliven. Alles sehr frisch und delikat. Außerdem sind die Portionen reichlich bemessen, so dass der erste Hunger schon mal gestillt ist. Aber genau aus diesem Grund bekommt man wohl den Brotkorb am Anfang auf den Tisch gestellt.

Muße statt Hetze

Der zweite Gang lässt dann wieder etwas auf sich warten. Das langsame Essen hat in der Seerose Tradition und ist voll beabsichtigt. Man will, dass die Gäste etwas verweilen, dazu plaudern und trinken. Ganz auf die italienische Art eben. Muße statt Hetze.

Gekocht wird in der Seerose “alla casalinga”, also nach Hausfrauenart. Beliebt ist bei den Gästen vor allem die selbstgemachte Pasta, die mit frischen Saisonprodukten zubereitet wird. Deshalb haben wir Linguine Vongole (12,50 Euro) und Spaghetti mit Bresaola und wildem Spargel (12,50 Euro) bestellt. Die Linguine sind bestückt mit reichlich Venusmuscheln und kommen mit einer hervorragenden Weißwein-Kräuter-Sauce. Die Spaghetti sind ebenfalls richtig gut. Die Kombination aus luftgetrocknetem Rinderschinken, Spargel und Kirschtomaten harmoniert perfekt.

Zum Essen trinken wir eine Flasche Lugana (21 Euro), die sehr gut im Preis-Leistungsverhältnis ist. Bei einem anderen Besuch zuvor hatten wir übrigens Fleisch und Fisch getestet: Taliata di Manzo ist ein Rinderfilet, das mit Rucola und Parmiggiano (21,50 Euro) serviert wird. Das Fleisch war derart zart und rosa, dass es fast auf dem Gaumen zerging. Ein wahrer Genuss für Fleischliebhaber. Aber auch der Fisch, eine Orata Grigliata, eine im ganzen gebratene Dorade (18,50 Euro)mit Spinat und Kapernbutter, konnte sich sehen lassen.

Das Publikum in der Seerose ist zwischen 30 und 50 Jahre als und typisch “schwabingerisch”. Also gut, aber leger gekleidet. Ein Hauch Yuppie, aber mit einem Hang zum Hedonismus. Auch Promis speisen gerne in dem italienischen Ristorante. Am Tisch neben uns sitzt beispielsweise Schauspieler Christian Ulmen mit seiner Freundin, der Moderatorin Collien Fernandes, und plaudert angeregt mit Komiker Christian Tramitz. Dazu trinken sie Rotwein und sind äußerst entspannt, weil sie von niemanden beachtet werden.

Wie man hört sollen auch ab und zu Fußballer des FC Bayern hier vorbeischauen. Namen schwirren durch die Luft und sind teilweise die Protagonisten der vom Kellner zum Besten gegebenen Anekdoten. Überprüfen konnten wir die Geschichten bisher allerdings nicht.

Zum Schluss gönnen wir uns noch etwas Süßes, ein Rharbarber-Mascarpone-Törtchen (7,50 Euro). Die sauer-süße Geschmackskombination rundet das gelungene Essen ab. Als wir gehen wollen, regnet es gerade in Strömen. Bleibt doch noch auf ein Getränk, meint der redselige Kellner, und lächelt verschwörerisch. Es gäbe da noch eine Anekdote, die er uns unbedingt noch erzählen müsse.