Die Räume mit altem Eichenboden wirken gemütlich und warm.(Foto: Stephan Rumpf)

Viel Licht und etwas Schatten

Die Karte im Hofbräu Obermenzing bietet für jeden etwas, auch die Atmosphäre in dem großen Restaurant ist angenehm. Doch manchmal gibt es kleine Aussetzer.

Das Hofbräuhaus ist weltweit berühmt und für Touristen ein Muss. Was die für pralles bayerisches Leben halten, ist für Einheimische, die ihre Gäste dort hinführen müssen, nicht immer ein Genuss. Der Hofbräu München gehört dem Freistaat, also genau genommen den Bürgern Bayerns. Dass die sich dieser Tatsache durchaus bewusst waren, zeigte sich Mitte des 19. Jahrhunderts, als König Maximilian II. das Königliche Hofbräuhaus privatisieren wollte und damit einen veritablen Proteststurm hervorrief. Er verkaufte dann an den bayerischen Staat. Inzwischen gibt es nicht nur mehrere Hofbräus in München, sondern auch auf mehreren Kontinenten.

Doch bleiben wir in München. Der Hofbräu Obermenzing an der Verdistraße ist nicht ganz so riesig wie der am Platzl, aber ein richtig großes Wirtshaus ist er schon. Neben der Hauptgaststube verfügt er über etliche Nebenzimmer unterschiedlicher Größe. Das macht ihn interessant für allerlei Zusammenkünfte – Vereine, Parteien, Familien, Firmen. Die Räume mit altem Eichenboden, Holztäfelung und einem wunderschönen Kachelofen im Hauptraum wirken gemütlich und warm, auch wenn der Ofen nicht geheizt ist. Große Leuchter und viele Lampen geben ein gutes Licht, sodass der Gast nicht im Halbdunkel auf dem Teller herumtasten muss. In der warmen Jahreszeit sitzt es sich gut auf der Terrasse und im Wirtsgarten.

Die ausführliche Karte bietet für jeden etwas: Salate, viel Fleisch, aber auch Fisch, Vegetarisches, Brotzeiten und Extras für Kinder. "Der Wunsch, einem Jeden, der zu uns kommt, ein Stück Lebensfreude zu bereiten, gibt uns jeden Tag aufs Neue die Kraft, unser Bestes zu geben. Deshalb legen wir größten Wert auf Qualität und Regionalität." So die Selbstauskunft. Die Qualität der Zutaten war durch die Bank sehr gut. Bei der Zubereitung aber haperte es bei einigen Gerichten – mal mehr, mal weniger.

So waren die Grießnockerl in der "kräftigen Rindsbouillon" recht ordentlich, die Bouillon zwar Rind, aber eher nicht kräftig (3,90 Euro). Tadellos das Rehragout mit hausgemachten Spätzle, Blaukraut und Preiselbeeren, das Fleisch mürbe und dankenswerterweise noch mit Wildgeschmack, die Sauce ausgezeichnet (16,90). Auch der Zwiebelrostbraten, ein großes Stück bestes Rind, auf Wunsch perfekt medium gebraten, mit vielen Röstzwiebeln und lockeren Käsespätzle, hätte besser nicht sein können (20,50). Beim ausgelösten, schön saftigen Backhendl war die Panade sehr dick, es fehlte die angekündigte Zitrone, und dem begleitenden Kräuterkartoffelsalat hätten ein paar Kräuter mehr gut getan (12,90). Die Kritik an der zu kräftigen Panade und an fehlenden Kräutern gilt auch für das vom Geschmack und vom Fleisch her gute Menzinger Schnitzel in "Obazda-Breznkruste" mit Kräuterkartoffelsalat (13,90).

Dass es auch ohne den Panadenpanzer geht, zeigte das Wiener Schnitzel mit gebratenen Kartoffelhälften mit Schale und Preiselbeeren (18,50). Hier war die Bröselhülle zwar ziemlich fett, aber schön wellig, wie sie sein muss, wenn das Schnitzel aus der Pfanne kommt. Das gute Kalbfleisch war nicht so dünn geklopft, wie es in Wien üblich ist, aber einem Münchner ist eine dickere Scheibe meist lieber.

Am Schweinsbraten gab es nichts zu meckern, außer, dass der "Reibeknödel" recht fad war (9,90). So ein fader Knödel begleitete auch den "Juliusteller", bestückt mit einer Viertel-Ente, Spanferkel und Blaukraut (19,90). Das Spanferkel ging schon in Richtung Pubertät, war aber nicht schlecht, die Ente sehr zart und am Knochen noch etwas rosa, sehr gut gelungen. Woher das Gericht den Namen Julius hatte, konnte die Kellnerin nicht sagen. Das Internet ist da schlauer: Es war wohl benannt nach der Figur des Braugehilfen Julius, die auf dem großen Erker des Hofbräuhauses am Platzl steht.

Wer nicht auf Fleisch eingestimmt ist, macht mit dem Zanderfilet keinen Fehler. Der Fisch war rösch gebraten, dazu Zucchini, Paprika und Zwiebeln, ebenfalls gebraten, und wie zum Wiener Schnitzel Kartoffelhälften von einer sehr guten Sorte (15,90). Für unsere Vegetarierin waren die köstlichen Steinpilztascherl in Salbeibutter die ideale Wahl (11,50).

Die Portionen sind recht üppig, sodass wenig Platz bleibt für ein Dessert. Das ist schade, wenn es sich um den lauwarmen Schokoladenguglhupf mit Kirschen und Vanilleeis handelt (6,50), ein Glück dagegen beim Palatschinken: hart und trocken, zugekleistert mit Schokosauce und einem Berg Sahne (4,90). Vielleicht wurde da aus Versehen ein Bierdeckel ausgebacken. Die Küchenkatastrophe wurde auch nicht dadurch gemildert, dass der Kellner, auf die Kritik hin, einen Kaffee anbot. Sonst aber war der Service unaufdringlich, freundlich und professionell.

Adresse: Verdistraße 125, 81247 München, Telefon: 089/86466080, Öffnungszeiten: Täglich 11 bis 0 Uhr, info@hofbraeu-obermenzing.de