Völkerverständigung im Biergarten

Kuriose Kellnerinnen, kläffende Köter und kontaktfreudige Kunden: Im Osterwaldgarten lernen sich die Gäste kennen.

Die Top-Drei der Lieblingbeschäftigungen des Münchners im Sommer sind: Mit Freunden im Biergarten sitzen, mit der Familie im Biergarten sitzen, mit den Arbeitskollegen im Biergarten sitzen. Dieser Sachverhalt führt dazu, dass die Biergärten, insbesonders an lauen Sommerabenden, komplett überfüllt sind.

So ist auch der “Osterwaldgarten”, wohlgemerkt ein Wirtsbiergraten, in direkter Nähe zum Englischen Garten, proppevoll. Unter Kastanien sitzen die Gäste, sind in Gespräche vertieft, Kellnerinnen in Dirndl huschen zwischen den Tischen umher, die Lichterketten sorgen für romantische Atmosphäre. Alle Tische sind besetzt. Ein Kellner führt uns an einen Tisch mit zwei Männern im Anzugs-Business-Look. Schnell nehmen sie ihre Blackberries vom Tisch, um uns Platz zu machen. Manchmal hat man Glück, manchmal hat man Pech, wenn man zwangsweise mit fremden Menschen an einem Tisch sitzen muss. Ob hier eine Konversation entstehen kann?

Freundlich-freche Kommentare der Kellnerin

Als Vorspeise wählen wir eingelegten Kalbstafelspitz mit Kernöldressing und marinierten Pfifferlingen an Salatbouquet (10,90 Euro) und eine Käseplatte mit Feigensenf und Malzbrot (9,90 Euro). “Normalerweise gibt’s den Käse ja nach dem Essen, bei uns heute als Vorspeise!”, sagt die Kellnerin und bringt die Käseplatte. Mit ihren freundlich-frechen Kommentaren wird sie uns durch den Abend geleiten und auch uns unser Essen trotz großen Andrangs schnell bringen, aber die Geschäftsmänner beschweren sich, weil sie lange warten müssen.

Den Gerichten mangelt es allerdings manchmal an etwas Sorgfalt. Denn dem Tafelspitz beigefügtem Salatbouquet fehlt zum Beispiel das Dressing, der Käseplatte die Butter für das Brot. Der Käse schwitzt ein bisschen zu viel, vom Geschmack her ist er aber, gerade in Kombination mit dem modischen Feigensenf, sehr delikat. Das Tafelspitzfleisch ist zart und dünn geschnitten, fast wie Vitello Tonnato und mit einer milden Soße angemacht.

Als die Tischnachbarn von ihrer Plattensammlung erzählen, kommen wir ins Gespräch. Sie necken sich gegenseitig, wer das bessere Gespür und die legendäreren Platten besitzt.

Der Hauptgang besteht aus einem Ochsenlendensteak mit gebratenen Pfifferlingen und Safranrisotto (16,90 Euro). Das Fleisch ist durchwachsen: in der Mitte schön saftig und blutig, nach außen hin aber zäh und ledrig, so dass mehrere Bissen augespuckt in der Serviette landen. Eigentlich hat auf der Karte Steinpilzrisotto gestanden und nicht Safranrisotto, was aber durch den cremigen, aber eben nicht matschigen Geschmack des Safranrisottos wettgemacht wird.

Die Schweinelendchen vom Grill und Butterspätzle (13,90 Euro) hätten ruhig noch noch ein bisschen mehr von ihrer Pifferlingrahmsauce vertragen können, die Spätzle sind etwas verklebt.

Plattensammlung als Wertanlage

Wir werden von unseren Tischnachbarn eingeweiht in die Geheimnisse des Plattensammelns, sehen ihr träumerisches Strahlen als das Gespräch auf die Bananen-Platte von Velvet Underground kommt und erfahren, dass Plattensammeln auch eine gute Wertanlage sein kann.

Währenddessen genießen wir den kühlen, fruchtigen Veltliner, obwohl eine Kellnerin im Vorbeigehen auf dem Weg zu ihren Gästen meinen Stuhl von hinten erneut streift, ein unerzogener Hund von Zeit zu Zeit beweisen muss, wie gut er kläffen kann. Denn das ist einfach der Biergarten, wie er leibt und lebt!

Viele Sachen, die auf der Karte stehen, sind am Ende des Abends aus. “Das ist der Wahnsinn, die haben uns alles leergefressen!”, sagt die Kellnerin. Übrig gelassen haben sie Gott sei Dank warme Schokoladentarte mit einer rot-weißen Vanille-Fruchtsoße und den warmen Zwetschgenstrudel!

Osterwaldgarten, Keferstraße 12, Telefon 089 / 38 40 50 40, Öffnungszeiten: Biergarten Montag bis Sonntag von 10 bis 23 Uhr, Lokal täglich 10 Uhr bis 1 Uhr.