Vom Kräuterbeet ins Cocktailglas

Von außen leicht zu übersehen, überrascht die Vega Bar mit durchgestyltem Ambiente. Die Hommage an Vincent Vega stammt vom Vorbesitzer, der selbst noch jede Woche auf einen Drink vorbeikommt.

Reinkommen, hinsetzen, Stimmung. Wo hat man das schon in München? Die Vega Bar vereint, was verschiedenste Bargänger sich wünschen und selten an einem Ort finden: Von außen hat die kleine Bar dank fast blickdichtem Fadenvorhang Boazn-Charakter und wird an der Kreuzung von Georgen- und Nordendstraße leicht übersehen. Wer auf griabig eingestellt durch die Eingangstür tritt, ist vom durchgestylten Ambiente überrascht.

Die Theke ist mit farbigen Mosaikfliesen verkleidet, die Wände mit psychedelisch bunten Mustern bemalt. Der dazu passende Duft nach Patschuli und Räucherstäbchen fehlt Gott sei Dank. Ein typisches Gästeprofil ist schwer auszumachen, von Nachbarn über Studenten bis zum Ü-30-Date scheint alles dabei zu sein. Kaum sitzt man an einem der niedrigen Loungetischchen, stehen Oliven und Salzbrez’n auf dem Tisch, die Bestellung ist aufgenommen.

Die Cocktails sind erstklassig, auf der Karte steht alles, was man in München so erwartet. Auf der Tafel neben der Bar dagegen finden sich die außergewöhnlicheren Kreationen. Und sie halten was die Namen versprechen. “Das schmeckt ja wirklich wie Eis im Glas”, sagt die Begleitung, strahlt und nimmt noch einen Schluck “Solero” (9 Euro). Die Mischung aus Karamell, Maracujasaft und Vodka trifft das Fruchteis von früher exakt.

Vor dem inneren Auge ziehen Bilder gelbverklebter Finger an endlosen Sommerferiennachmittagen im Freibad vorbei. “Basil Smash” schmeckt wie ein süßlich frischer Ausflug ins Kräuterbeet (9,50 Euro), der “Lavendel Gimlet” (8,50 Euro) ist mit spürbaren Lavendel- und Rosmarinnoten deutlich herber, aber genauso köstlich und im geschliffenen Glas auch optisch ansprechend.

Die Vega Bar soll eine Hommage an Vincent Vega sein, den Auftragsmörder aus Tarantinos Kult-Film Pulp Fiction, dessen Verehrung so weit geht, dass Kult noch hält, was der Wortsinn verspricht. Egal ob Uma Thurmans blutroter Nagellack, ihre Frisur oder Vegas, ihr Tanz oder seiner – kein Fasching vergeht, in dem nicht Dutzende als Vincent Vega und Mia Wallace um die Häuser ziehen.

Der Vorbesitzer schaut regelmäßig vorbei

Ausgedacht haben sich Elias Lobewein und Richard Neumann dieses Bar-Konzept zwar nicht, aber sie haben es weitestgehend beibehalten. Als die beiden Bar-Chefs des Elektroclubs Harry Klein vor fünf Jahren die Vega Bar übernahmen, weil das Bauchgefühl nach zwei Jahren Suche einfach passte und der eigene Laden nach wie vor das Traumziel der meisten Gastro-Leute ist, ließen sie sich vom Vorbesitzer überzeugen.

Sie rückten nicht mit grobem Gerät an und ließen das Interieur weitgehend so wie es war. Und wieso den Namen ändern, wenn das Ambiente ohnehin bleibt? Die Strategie war offenbar richtig, die Beziehung zu den Nachbarn scheint es auch zu sein. Gesprächen, TÜV-geeichter Anlage und Trittschalldämmung sei Dank. Auch der Vorbesitzer komme noch jede Woche auf einen Drink vorbei, sagt Lobewein. Wo hat man das schon in München?