Stephan Rumpf

Von Currywurst bis Thai-Curry

Das Meschugge im Volkstheater spannt einen weiten Bogen – das ist nicht nur preislich ein Problem.

Auf die Frage, wo man besser isst, an der Currywurstbude oder im Gourmetrestaurant, würden die meisten vermutlich ohne zu zögern sagen: Na, ist doch wohl klar, im Gourmetrestaurant. Aber so einfach ist die Sache nicht. Eine gute Currywurst mit Pommes für fünf Euro kann ein genauso befriedigendes Gefühl hinterlassen wie ein mehrgängiges Super-Duper-Menü mit Weinbegleitung für 100 Euro. Bekäme man dagegen genau die gleiche Currywurst im Gourmettempel zu den dort üblichen Preisen angeboten, empfände man sie als völlig überteuert. Genauso, wie der Genuss eines sternewürdigen Essens empfindlich getrübt werden kann, wenn das Ambiente abtörnend ist.

Insofern gibt es keine Garantie dafür, dass ein gastronomisches Konzept, das in einem Lokal gut funktioniert, einfach so auf einen ganz anders gearteten Laden übertragen werden kann. Darüber hätten Florian Gleibs und Jürgen Grap vielleicht etwas gründlicher nachdenken sollen, als sie im Januar das Meschugge neben dem Volkstheater aufgemacht haben. Die Volksküche hatte sich dort zuvor an französisch inspirierter Küche zu zivilen Preisen versucht und war unter ominösen Umständen gescheitert. Davor war der legendäre Volksgarten eine feste Adresse nicht nur für Frühstücker und die Theaterbesucher, sondern auch für Nachtschwärmer, denn im gemütlichen Innenhof darf man bis ein Uhr nachts draußen sitzen.

Gleibs und Grap haben das Konzept ihres israelischen Lokals Schmock mehr oder minder ins neue Meschugge gepflanzt, es gibt eine Reihe identischer Gerichte. Ist das eine gute Idee? Die Antwort lautet: eher nicht. Das hat sowohl mit dem kulinarischen Konzept zu tun, als auch mit den Preisen. Das Schmock an der Augustenstraße ist ein Speiselokal der gehobenen Güteklasse, wo die Tische weiße Decken haben und das ganze Ambiente gediegen ist. Das Meschugge ist dagegen ein Lokal, das nicht nur räumlich eng mit dem Volkstheater verbunden ist. Je nach Vorstellungszeiten gibt es dort ein reges Kommen und Gehen, im großen, lang gestreckten Gastraum herrscht mitunter ein Rummel wie in einer Bahnhofshalle. Hierher kommt eben auch, wer vor oder nach der Vorstellung oder auch in der Theaterpause schnell etwas trinken oder eine Kleinigkeit essen möchte. Für ein romantisches Candlelight-Dinner gibt es bessere Orte. Man könnte beispielsweise ins Schmock gehen.

Am besten klappt der kulinarische Transfer noch bei den Vorspeisen und Salaten. Ob Jaffa Street Finger Food (zwölf Euro) oder der israelisch-arabische Vorspeisenteller (15), beides sind nicht nur Kombinationen diverser nahöstlicher Köstlichkeiten wie Falafel oder der Kichererbsenpaste Hummus, sie lassen sich auch gut mit Freunden teilen. Auch die Süßkartoffelsuppe mit Garnelen (5,80) erwies sich als gute Wahl. Beim Vitello Tonnato (8,50) war die Thunfischsoße von Konsistenz und Geschmack ohne Fehl und Tadel, das Kalbfleisch hingegen sollte noch ein wenig dünner geschnitten sein. Die darübergestreuten Dillzweige und Granatapfelkerne sind wohl eher unter Dekorationsgesichtspunkten zu erklären – sah halt hübsch aus.

Internationale Küche oder zusammengewürfeltes Allerlei?

Bei den Hauptspeisen wird dagegen nicht so recht klar, welcher Linie das Lokal gerne folgen möchte, weder kulinarisch, noch preislich. Von der Currywurst bis zum Thai-Curry, von Königsberger Klopsen bis zu Schmorgerichten aus der Tajine, einem nordafrikanischen Schmortopf, spannt sich der Bogen. Man kann das als internationale Küche verkaufen, oder aber als relativ willkürlich zusammengestelltes Allerlei empfinden, mit dem irgendwie jeder Geschmack getroffen werden soll. Die Ergebnisse waren jedenfalls so unterschiedlich wie die Gerichte.

Die Kalbsfleischpflanzerl mit Gurken-Kartoffelsalat waren so gelungen wie in einem guten bayerischen Lokal, das Thai-Curry litt hingegen darunter, dass die einzelnen Komponenten nicht richtig ausgewogen waren, zu viel Gemüse dämpfte die pikante Schärfe. Beim Artischockengröstl passte wieder alles, während es der Koch bei den Königsberger Klopsen mit der Sauce deutlich zu gut gemeint hatte, es war mehr eine Klops-suppe, wenn auch geschmacklich einwandfrei.

Womit wir bei den Preisen wären, bei denen sich ganz unterschiedliche Welten auftun, die einen leicht meschugge machen können. Ein Fischfilet für 19,90 Euro oder ein Thai-Curry mit Huhn für 13,50, das ist völlig in Ordnung. Aber zwei Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat gibt es anderswo günstiger als für 13,50 Euro, die man im Meschugge dafür bezahlen muss. Ein Rindfleisch-Burger mit Pommes ist kulinarisch kein Hexenwerk, auch ein unerfahrener Aushilfskoch sollte es fertigbringen, eine Hackfleisch-, eine Speck- und eine Käsescheibe zwischen zwei weiche Semmelhälften zu schieben. Im Meschugge kostet das aber 19 Euro. 19 Euro für einen Burger? In einem Theaterlokal? Geht’s noch? Auch die Currywurst vom Ochsen (11,50) wirft die Frage auf, ob es sich dabei um ein handgestreicheltes Tier gehandelt hat.

Wie in so vielen Münchner Lokalen wird auch im Meschugge beim Wein schamlos hingelangt. Ein 0,2-Liter-Glas Lugana für 9,50 Euro oder ein Glas Sauvignon für zehn Euro, da wird sich mancher überlegen, den Absacker nach dem Theaterabend lieber woanders zu trinken. Oder er hält sich stattdessen lieber an den grandiosen Dino-Sprizz-Cocktail (7,50) mit einem Hauch von Ingwer, den uns die äußerst freundliche Bedienung empfohlen hat.