Bedienung Julia serviert Avocadobrot und Bratkartoffeln mit Speck und Eiern. (Foto: Stephan Rumpf)

Weißwürste, Kaiserschmarrn – oder doch lieber Avocadobrot?

Im Wirtshaus Hohenwart in Giesing gibt es seit Neuestem auch Brunch. Neben den Klassikern stehen auch Gerichte auf der Karte, die man eher in hippen Cafés erwarten würde.

Das Wirtshaus Hohenwart in Obergiesing gibt es schon eine ganze Weile. Um genau zu sein: seit 123 Jahren. Sogar Gerhard Polt hat hier Anfang der Neunziger schon gedreht. In dem Film “Herr Ober” heißt das Wirtshaus allerdings “Zum goldenen Löffel”. Aber Name hin oder her, das Hohenwart hat längst Kultstatus.

Das heißt aber nicht, dass immer alles beim Alten bleiben musste: Seit Ende des verganenen Jahres gibt es am Wochenende und an Feiertagen Frühstück. Damit wagt das alteingesessene Wirtshaus den Spagat zwischen Altbewährtem und Neuem, zwischen gutbürgerlicher Hausmannskost mit Schweinbraten und Schnitzel auf der einen und aktuellen Frühstückstrends auf der anderen Seite.

Und der gelingt erstaunlich gut. Schöne Dreingrabe: Nach einem ausgiebigen Frühstück kann man sich bei einer Runde Kegel verausgaben und so die angefutterten Kalorien gleich wieder wegspielen. Kleiner Tipp: Wer kegeln will, sollte unbedingt schon vorab telefonisch reservieren, denn es gibt nur eine Bahn.

Was gibt es dort und was kostet das?

Selbstverständlich darf in einem bayerischen Wirtshaus der “Klassiker”, zwei Weißwürste mit Brezn und süßem Senf (6,90 Euro) nicht fehlen, und auch das “Bauernfrühstück” kann durchaus als bayerische Spezialität durchgehen: Bratkartoffeln mit drei Spiegeleiern und Speck (10,50 Euro).

Der Rest der Karte könnte allerdings genauso gut in einem der vielen hippen Frühstückscafés auf der Karte stehen: “Egg’s Benedict” (13,90 Euro), zwei Toastscheiben mit blanchiertem Babyspinat, Wacholderschinken, zwei pochierten Eiern und Sauce Hollandaise, oder “Avocadobrot” (12,90 Euro), Sauerteigbrot mit Avocado, Quinoa und ebenfalls zwei pochierten Eiern. Einziger Makel: Die Eier könnten ruhig ein bisschen weicher sein.

Der “Frühstücksteller” (13,90 Euro) ist die perfekte Mischung für all jene, die es sowohl bodenständig als auch ein bisschen ausgefallen mögen: ein Brotkorb mit Brezn, Wacholderschinken, Fenchelsalami, Trüffelleberwurst, Camembert, Bergkäse, Aprikosenmarmelade, Erdbeermarmelade und Nutella. Bei Bedarf können noch zwei Spiegel- oder Rühreier (4,50 Euro) dazu bestellt werden. Speck, Schinken oder Tomaten gibt es für je 1,50 Euro.

Wer es nicht so herzhaft mag, für den steht ein Naturjoghurt mit Honig und gerösteten Nüssen (4,50 Euro) oder mit Waldbeerkompott (4 Euro) auf der Karte. Nicht auf der Frühstückskarte, aber trotzdem als süße Nachspeise zum Teilen zu empfehlen, ist der karamellisierte Kaiserschmarrn ohne Rosinen (10,90 Euro), dafür mit Zwetschgenröster, Apfelmus und Vanilleeis. Zubereitungszeit: etwa 30 Minuten.

Sonst kann man alles vom Rest der Karte bestellen, rein theoretisch also auch das Mittagessen vorziehen und eine Portion Spinatknödel (13,90 Euro) oder Hirschgulasch (18,90 Euro) frühstücken.

Die Kaffeebohnen kommen im Hohenwart von der Münchner Rösterei Emilo. Einen Espresso gibt es für 2,20 Euro, ein Haferl Kaffee für 4,20 Euro und einen Cappuccino für 3,40 Euro. Frisch gepressten Orangensaft gibt es selbstverständlich auch.

Alternativ kann man aber auch einen sehr gesunden Apfel-Karotte-Sellerie- oder einen Orange-Karotte-Ingwer-Saft (je 4,90 Euro) probieren. Zu empfehlen sind allerdings besonders die hausgemachten Limonaden: Granatapfel-Minze, Zitrone oder Ingwer (je 4,20 Euro).

Wer geht da hin?

Die großen Holztische sind ideal für große Runden, seien es Freunde oder Familien. Auch der ein oder andere Kinderwagen hat, anders als in den meisten anderen Frühstückscafés, problemlos Platz.

Wie viel Zeit muss man mitbringen?

Frühstück gibt es von zehn Uhr an. Wer früh kommt, kann sich eigentlich fast sicher sein, die freie Platzwahl zu haben. Dass es im Wirtshaus Hohenwart seit neustem auch Frühstück gibt, hat sich offenbar noch nicht überall herumgesprochen. Erst zur Mittagszeit füllen sich die Tische, deshalb lohnt es sich für Langschläfer zu reservieren. Frühstück gibt am Samstag, Sonntag und an Feiertagen bis 16 Uhr.