Wie gemalt

Ein Kurzurlaub in Frankreich gefällig? Dann ist ein kulinarischer Ausflug ins Atelier Gourmet zu empfehlen. Dort wird man verwöhnt mit Foie Gras, Lamm, Muscheln und einem wunderbarem Gâteau au Chocolat.

Ein SZ-Leser aus Tübingen hat beim Weihnachtsgewinnspiel des SZ-Magazins “Sie werden uns kriegen” einen Abend als Gastrokritiker gewonnen. Dies ist seine Kostprobe.

Ferien für einen Abend mitten in der Stadt – nein, damit ist keine Probeübernachtung gemeint im Backpacker Hostel oder Abhängen am sandigen Kulturstand an der Isar. In der baumbestandenen Rablstraße lockt französisches Flair, und zwar gleich en masse .

Drei Restaurants unmittelbar nebeneinander werben dort beim notorisch italophilen Münchner Publikum für die Küche aus dem gallischen Westen. Und präsentieren sich, ganz wie man es aus dem Schulunterricht erinnert, als Zungenbrecher mit diversen orthografischen Gemeinheiten: ” Au Comptoir de Loïc “, “Le Bousquérey” und “Atelier Gourmet” heißt das Trio, und es mag neben der direkten Nachbarschaft auch an den vertrackten Namen liegen, dass manche Gäste zunächst das falsche Lokal ansteuern. Sie werden vom Personal freundlich eine Tür weiter oder zurück geschickt.

Das “Atelier Gourmet” fällt von außen nicht sonderlich auf. Doch schon beim Betreten des kleinen Restaurants mit den hellgelb gestrichenen Wänden, dem freundlichen Empfang stellte sich das Gefühl ein, vom Alltag abzutauchen. Die jeweils aktuelle Abendkarte mit saisonalen Produkten ist in Handschrift auf einer Schiefertafel nachzulesen.

Unter den mehrgängigen Menüs, die zwischen 35 und 58 Euro kosten, steht auch ein vegetarisches zur Auswahl (39 Euro). Der Service war freundlich, aber diskret – Spätzle beobachtete fast sehnsüchtig, wie am Nachbartisch einer der Küchenchefs in einem Mix aus deutscher und französischer Sprache seine Gerichte enthusiastisch anpries.

Doch dann ergab der Aperitif aus Crémant mit Beerenlikör (6,40), eine erfrischende Kombination von süßlichen Likörnoten und fein perlendem Schaumwein, mit den aromatischen Tomaten-Quarkcreme-Röllchen als Gruß aus der Küche eine wunderbare geschmackliche Einstimmung auf den Abend. Dazu angenehm ruhige Musik, das sich langsam mit Leben füllende Bistro – es begann so etwas wie ein kulinarischer Kurzurlaub.

Unter den Vorspeisen fielen besonders die perfekt bissfesten Ravioli mit einer kräftigen Fülle aus geschmortem Rindfleisch mit Foie Gras (13,50) auf. Auch die vegetarische Variante der hausgemachten Teigtaschen, gefüllt mit Pfifferlingen, überzeugte, ebenso die dritte Kombination aus Pilzen und St. Michel-Muscheln mit feiner Safrannote. Bei einem früheren Besuch hatte, jahreszeitlich passend, bereits der gebratene Spargel mit pochiertem Bauern-Ei und einem Salat aus Radieschen und jungem Lauch ein herrlich frühlingshaftes Gericht ergeben.

Nach diesem furiosen Beginn stieg die Vorfreude auf die Hauptgerichte. Nachdem die Bedienung – in nun sehr angenehmer Zurückhaltung – die Teller erst abräumte, als sie sich vergewissert hatte, kein Gespräch zu stören, kam das “Duett vom Lamm mit Römischen Nocken an Sauté von Spinat und Lila Knoblauch” (23,50) auf den Tisch: Ein intensives Gaumenerlebnis, bei dem die mediterranen Nuancen ideal auf den kräftigen Geschmack des Fleisches abgestimmt waren. Auch die Kaninchen-Variation mit butterweichem Ragout und pur gebratenem Filet mundete – vor allem die Beilage aus Couscous und zarten Karotten von raffinierter Süße.

Dagegen konnte die gebratene, in Tandoori und Joghurt marinierte Wachtelbrust mit Austernpilzen und Koriander-Kartoffel-Kroketten nicht ankommen (23,50). Die Wachtelbrust wirkte fast so, als sei sie ganz simpel paniert worden. Auch die etwas zu trockenen Kroketten enttäuschten, trotz interessanter Würze. Als Aufmunterung genügte ein Seitenblick zum Mittester, der genussvoll schweigend sein Lammgericht verzehrte, wenn er nicht gerade den Bordeaux lobte, die Aromen “reifer Früchte von Cassis und schwarzer Kirsche”.

Zum Dessert entfaltete der saftige Gâteau au Chocolat mit Marzipaneis (7,80), begleitet von einem französischen Süßwein, wunderbare Schokonoten. Das Eis mit herbem Mandelgeschmack setzte Kontrapunkte, dazu feine Orangennuancen in der Sauce – eine phänomenale Kombination. Die Crème Brûlée Flambée (7,80) war schon optisch ein Erlebnis und von gekonnt sämig-fester Konsistenz unter der Kruste. Zur dezent exotischen Kokosmousse schließlich waren dem Pâtissier die knusprigen Amaretto-Mandel-Hippen exzellent gelungen (7,80).

Und ehe sich’s Spätzle versah, war im Atelier Gourmet ein mehr als zweistündiger Ausflug nach Frankreich vergangen.



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