Wie man bei einer kulinarischen Rundfahrt die Gastro-Szene kennenlernt

Bei den “Taste Tours” bekommen Gäste in vier verschiedenen Restaurants Kostproben aus dem Angebot. Bisher machen 15 Lokale mit, darunter ein Münchner Aushängeschild.

An die 5000 Gaststätten gibt es angeblich in München, wer die alle besuchen will, hat also ganz schön zu tun. Genau genommen ist man auch schon ordentlich beschäftigt, wenn man nur die besseren Lokale herausfinden will. Glücklicherweise gibt es aber findige kleine Unternehmungen, die einem die Suche abnehmen und kulinarische Touren anbieten. Die neueste heißt “Taste Tours” und führt an einem Abend gleich zu vier “angesagten Restaurants”. Sieben Teilnehmer werden dabei im Kleinbus etwa vier Stunden lang durch die Stadt kutschiert und bekommen an jeder Station eine Kostprobe von der Speisekarte des jeweiligen Lokals.

In Hamburg funktioniert das Prinzip schon recht gut, die beiden Startups Geheimtipp.de und Foodguide.de haben sich bei den dortigen Taste Tours mit 40 Lokalen zusammengetan. Unter denen wählen die Macher jeweils vier Restaurants aus. Für diejenigen, die eine Tour buchen, soll es eine Überraschung sein, wo sie landen. Ähnlich läuft das auch in München ab – hier aber ist man noch am Anfang, derzeit beteiligen sich erst 15 Lokale an den Taste Tours, darunter aber immerhin auch das Käfer-Bistro. Ein Coup für die Veranstalter; das Feinkosthaus gilt ja bundesweit als typisch münchnerisch. Käfer wiederum ist recht bemüht, ein etwas jugendlicheres Image zu bekommen, und da bietet sich so eine hippe Kulinariktour ja förmlich an.

Bei der Exklusivtour für die Presse geht’s jedoch nicht zum Nobellokal, da beginnt man beim Kleinen Flo. Das ist ein etwas anderer Burgerladen mitten im Zentrum, in der Josephspitalstraße 4. Klassische und extravagante Burger gibt es hier – nur etwas kleiner und natürlich günstiger. “Zwei bis drei von unseren entsprechen einem normalen”, sagt Mitinhaberin Julia Bures. Hinten in der Küche steht der Namensgeber, der eher so mittelgroße Florian Kantor. Vorne im Gastraum fällt vor allem der extrem hohe Prozentsatz an jungen Mädchen und Frauen auf. Je kleiner der Burger, desto weiblicher offenbar.

Die nächste Station ist ebenfalls noch ein Geheimtipp, obwohl das Lokal eben erst den deutschen Gastro-Gründerpreis gewonnen hat. Es handelt sich um das Café Über den Tellerrand. Das Sozialunternehmen, das sich im Volkshochschulzentrum an der Einsteinstraße 28 direkt beim Max-Weber-Platz befindet, bietet eine bunte Küche zwischen bayerisch und orientalisch-afrikanisch. Das liegt daran, dass es vorwiegend Geflüchtete beschäftigt, aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, aus Senegal und aus Gambia. Und der Chefkoch ist Mexikaner. Das Motto: “Begegnungen bei Butterbreze und Baklava, Hummus und Obazda” ist wörtlich zu nehmen, denn die bayerisch-arabische Brotzeitplatte beinhaltet neben Taboulé und diversen Aufstrichen auch Radieserl, Emmentaler und Essiggurken. Dazu gibt’s dann beispielsweise hausgemachten Hibiskussirup.

Und Erklärungen vom Teamleiter Felix Durejka, denn auch das ist ein Prinzip der Taste Tours: Die jeweiligen Gastronomen erzählen etwas über die Geschichte und die Geschichten ihres Lokals. Die erfährt man auf der Tour reichlich, auch der 28-jährige Fahrer Benjamin Schulz hat viel zu berichten. Der gebürtige Münchner war vier Jahre lang beruflich auf Kreuzfahrtschiffen, hat dabei 70 Länder besucht und ebenso viele Länderküchen kennengelernt. Seither, sagt er, “interessiere ich mich besonders für Speisen aus anderen Ländern und Geheimtipps, wo man sie bei uns bekommt”.

Eigentlich ist man nach zwei Stationen schon angenehm gesättigt, aber es geht noch weiter. Beispielsweise ins Nero in der Rumfordstraße 34 zu Francesco Cacopardo. Ein Geheimtipp ist das freilich nicht mehr; seit 2004 gibt es hier Pizza, später kamen auch noch erstklassige Steaks hinzu. Bei den Taste Tours serviert Cacopardo Prosecco, San-Daniele-Schinken von der Schneidemaschine aus den Sechzigern und selbstverständlich Pizza. Die gibt’s ganz traditionell und auch vegetarisch, nur eines bekommt man im Nero nicht: “Pizza Hawaii mit Ananas drauf”, sagt Francesco Cacopardo und schüttelt sich, “das geht überhaupt nicht!”

Zum Abschluss geht man dann ein paar hundert Meter, zu Sallis Kitchen in die Blumenstraße 1. Dort gibt es zahlreiche Süßigkeiten und Pralinen bis hin zur Torte. Und dort gibt es Engin Sali, der auch ein Verwandter von Django Asül sein könnte, von Aussehen und Auftreten her, auf den Mund gefallen ist er nicht. Man glaubt ihm gerne, dass er einen ganzen Tag lang im Hausgang auf seinen zukünftigen Vermieter wartete, bis er endlich den Zuschlag für den Mietvertrag bekam. Eine weise Entscheidung des Vermieters übrigens; es ist nie verkehrt, einen Schokoladenladen im Haus zu haben.

Man kommt also ganz schön herum bei so einer Tour und lernt auch Ungewöhnliches kennen. Momentan sind die Taste Tours dreimal die Woche unterwegs, sie beginnen um 18.30 Uhr und kosten je nach Programm, “von 89 Euro pro Person an aufwärts”, sagt Schulz. Buchen kann man Tickets (oder Gutscheine zum Verschenken) unter www.tastetours.de .