Wie Münchner Restaurants auf die Corona-Krise reagieren

Die einen sperren erst einmal ganz zu, andere setzen auf Essen zum Mitnehmen: Viele Lokale müssen sich wegen der neuen Beschränkungen etwas einfallen lassen, um zu überleben.

Gänzlich unerwartet kam die Entscheidung nicht mehr. Die meisten Wirte und Restaurantleiter hatten schon damit gerechnet, dass es mindestens zu erheblichen Beschränkungen kommen werde. Am schnellsten war das Tantris gewesen. Das berühmte Sternerestaurant hatte bereits Samstagmittag seine vorläufige Schließung bis einschließlich 21. April verkündet.

"Für uns als Restaurant Tantris steht die Gesundheit aller an erster Stelle", so Geschäftsführer Felix Eichbauer, "daher diese drastische Entscheidung, die wir als unsere gesellschaftliche Verantwortung in dieser Lage sehen." Wegen der aktuellen Entwicklung um das Coronavirus habe man sich entschlossen, "unsere Gäste, Mitarbeiter, Familien und Freunde zu schützen". Alle bestehenden Reservierungen seien damit annulliert, jeder Gast werde darüber persönlich informiert.

Am Montagmorgen gab Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dann bekannt, dass Bars und Clubs bis auf weiteres geschlossen würden, Speiserestaurants dürften nur noch von sechs bis 15 Uhr offen haben – für maximal 30 Leute und mit einem Mindestabstand von eineinhalb Metern zwischen den Tischen. Bei den Münchner Gewerbemieten und Pachten kann das aber allein schon existenzbedrohend sein.

Relativ entspannt geht Tohru Nakamura, Zwei-Sterne-Koch vom Werneckhof, mit der Situation um. "Wir schließen die nächsten zwei Wochen", sagt er, "wir nehmen dann eben den Urlaub, den wir sonst im August machen, schon einmal jetzt." Er macht sich eher Sorgen um seine Lieferanten und ihre hochwertigen Produkte. Die beliefern ja nicht nur ihn, sondern auch viele andere Betriebe der Gastronomie . Nun bleiben sie auf ihren Waren wohl sitzen.

Nakamura sagt, er wolle sich mit seinem Team jetzt zusammensetzen und überlegen, was man tun könne für sie. Auch Jügen Wolfsgruber vom Sparkling Bistro, das gerade erst einen Stern im Michelin bekommen hat, schließt sein Lokal fürs Erste einmal ganz. "Bis man wieder darf", sagt er, "das Virus ist von 6 bis 15 Uhr nicht in Urlaub, und mir ist es zu gefährlich." Die Gesundheit der Mitarbeiter und der Gäste sei ihm wichtiger, als das Geschäft an die Situation anzupassen.

Sternerestaurants trifft es in aller Regel weniger hart, weil sie über Kundschaft nicht klagen können. Bei normalen Gaststätten sieht das anders aus. Christian Schottenhamel vom Paulaner am Nockherberg, der gerade die komplette Starkbiersaison mit bis zu 70 000 Gästen absagen musste, ebenso wie sein Kollege Ludwig Reinbold im Löwenbräukeller sein Starkbierfest, sieht schon länger gravierende Auswirkungen auf die Branche. "Die Leute gehen schon länger nicht mehr so gern zum Essen", sagt er, "ich merke das zum Beispiel auch daran, dass sich gerade erst zwei Köche von sich aus bei mir vorgestellt haben. Normalerweise muss man händeringend nach Personal suchen."

Die bayerische Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer vom Ayinger Brauereigasthof klagt für ihre Branche über erhebliche Umsatzeinbrüche durch die Corona-Krise. 78 Prozent aller Betriebe hätten bereits Anfang März einen Umsatzrückgang von fast einem Drittel zu verzeichnen, erklärte Inselkammer am Sonntag unter anderem in der ARD-Talkshow Anne Will.

Sie forderte ein "sofortiges Nothilfeprogramm" für ihre Branche: "Die Umsatzeinbrüche kommen nicht schleichend wie in anderen Wirtschaftskrisen, sondern von heute auf morgen und das fast zu 100 Prozent. Unsere Betriebe kämpfen unverschuldet ums nackte Überleben." Nötig seien Liquiditätshilfen, Steuerstundungen und Notkredite. Gastronomie und Hotellerie seien besonders personalintensive Wirtschaftsbereiche, die vielen Beschäftigten würden besonders hart getroffen.

Das gilt auch, wegen der Reisebeschränkungen und Stornierungen, für Hotels und jene Gaststätten, die viel von Touristen frequentiert werden. So hat man derzeit kein Problem, in der Schwemme des Hofbräuhauses einen Platz zu finden, auch die Mindestabstände lassen sich locker einhalten. Michael Sperger, einer der beiden Wirte sagt: "Wir haben schon am Wochenende den Festsaal und das Bräustüberl im ersten Stock geschlossen." Bei der Öffnung bis 15 Uhr werde es wohl bleiben.

Andere Lokale suchen jetzt nach kreativen Lösungen, wie man mit der Krise umgehen kann. Das gehobene Restaurant Broeding, bekannt für täglich wechselnde Menüs und besondere österreichische Weine, mache jetzt zum Beispiel auf "Broeding für daheim", sagt Chefkoch und Mitinhaber Manuel Reheis: "Seit Montag bieten wir täglich fünf Gerichte zur Selbstabholung von mittags bis 19 Uhr an." Geschirr zum Transport ist mitzubringen, an diesem Dienstag gibt es zum Beispiel sous-vide-gegartes Mangalitza-Schwein mit Knödelsalat, Kalbslasagne und Bayerische Creme mit Zitrusfrüchten.

Von Mittwoch an stellt das Restaurant dann von Abend- auf Tagesbetrieb um, und das künftig auch noch täglich von 11.30 Uhr an, aber mit deutlich reduzierter Tischanzahl. "Wir werden alles im gesetzlichen Rahmen machen, was Körper und Geist hilft, durch die Krise zu kommen", sagt Reheis, "wir haben uns alle gemeinsam für diesen Schritt nach vorne entschieden."