Die Gäste können aus vielen verschiedenen Biersorten wählen.

Wo das Biertrinken zelebriert wird

In Kühlschränken, Fässern und Regalen lagern in der Bar Meisterstück in Haidhausen mehr als 100 Sorten Craft Beer aus der ganzen Welt. Gut, dass nicht immer alles vorrätig ist.

Als erstes nimmt man den Geruch von geräuchertem Schinken wahr. Er umwabert den Besucher, sobald er das Innere des “Meisterstücks” am Weißenburger Platz betritt. Dieser Ort ist nicht nur Bar, sondern auch “Rauchküche”, in der Hähnchenkeulen, Spareribs und Haidhausener Bratwürste aus dem Smoker serviert werden. Ein Ort irgendwo zwischen urig und hip, wo kaum ein Stuhl zum anderen passt, auf Schnüre gefädelte Kronkorken die Wände schmücken und Bierflaschen als Vasen dienen. Aber auch die ideale Bar für ein experimentelles Bier-Erlebnis. Denn in Kühlschränken, Fässern und Regalen lagern mehr als 100 Sorten Craft Beer.

Seit einigen Jahren eröffnen in München immer neue Kreativ-Brauereien, die ihre Biere mit Kakaobohnen, Mate oder Orangenaroma aufpeppen. Vor ungefähr zwei Jahren richtete Andrea Waldecker, 47, deshalb das “Meisterstück” in Haidhausen ein – sozusagen als Schatzkiste für Entdeckungslustige. Und das sind viele, an einem Freitagabend einen Platz zu ergattern, ist gar nicht so einfach. Einmal an einem der Massivholztische zum Sitzen gekommen, helfen die Kellner bei der Entscheidung zwischen Bieren aus Deutschland oder doch lieber Belgien, Neuseeland, England, den USA, Italien oder Norwegen. Fast erleichternd, dass nicht alle der Sorten immer vorrätig sind.

Auch wer kein Bier mag, muss im “Meisterstück” nicht durstig bleiben. Die Karte listet regionalen Wein, Schnaps und ausgefallene Cider-Sorten von Limette-Kokosnuss bis Apfel-Zimt, aber auch Alkoholfreies. Ganz billig ist der Entdeckerspaß zwar nicht – ein Glas “Roter Münchner” der Hausbrauerei im Hinterhof kostet 4,80 Euro und 0,1 Liter “Barrel Aged Beer” 3,50 Euro – aber man bekommt schließlich nicht jeden Tag fast schwarzes Stout mit samtigem Schaum, das mit 10,5 Prozent Alkohol an Portwein erinnert.

Die Atmosphäre ist gemütlich mit einem Hauch von Wirtshausflair. Stimmengewirr hängt wie das Räucheraroma über den Tischen, an denen Freundesrunden die “großartige Brotzeit” oder die “original Currywurst” essen, und am Ecktisch wartet ein Pärchen, die Finger ineinander verschlungen, auf das nächste Bier. Schade nur, dass der Kellner aufgrund des Lärmschutzes gegen 22 Uhr die letzte Bestellung aufnimmt und das Lokal sich zu leeren beginnt. Schön ist dafür der Moment, wenn zum ersten Mal der Kuckuck zu hören ist, der brav zur vollen Stunde aus einer Kuckucksuhr an der Wand springt. Tröstlich mag außerdem sein, dass man sich noch eine Flasche Hipster-Craft-Beer mitnehmen kann, für daheim oder den Weg in die Nacht.



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