Wo der Suppenkaspar satt geworden wäre

Dampfende Suppen und ungewöhnliche Salate: Neuhausen hat eine neue Suppenküche. Im Gusto gibt es leichte Gerichte für die schnelle Mittagspause. Und wer mutig ist, bekommt einen Espresso umsonst.

Die Suppe hat in den vergangenen Jahren eine Art Renaissance erlebt, ihr verstaubtes Image – als ungeliebte Kartoffelsuppe aus Kindheitstagen – ist sie längst los. Und gerade bei den gesundheitsbewussten Münchnern kommt die flüssige Mahlzeit gut an. So gut, dass inzwischen fast überall in der Stadt Suppenküchen eröffnet haben.

Im Märchen verhungert der Suppenkaspar, weil er seine Suppe nicht mehr essen will. Im “Gusto” , das vor einigen Monaten in Neuhausen eröffnet hat, ist man der Meinung, diese Geschichte sei längst nicht mehr wahr. Deshalb versprechen die Besitzer jedem Gast, der beim Betreten der Suppenküche “Der Suppenkaspar ist tot!” schreit, einen Espresso aufs Haus.

Wer nicht schreien will, wird von den beiden Chefs allerdings auch mit einem freundlichen “Servus bei uns im Gusto!” begrüßt. In ihrer kleinen Suppenküche duftet es nach Kokos, Ingwer und frischem Kaffee. Es ist 12.30 Uhr und Rushhour – vor allem Stammgäste verbringen ihre Mittagspause hier. Bei vielen weiß Inhaber Christoph Schüler schon, was sie essen wollen: “Bei Herrn Bayer wie immer unsere Gulaschsuppe, oder?”, sagt er zu einem Gast.

Die Plätze draußen in der Sonne sind alle belegt, aber wir fühlen uns auch drinnen wohl. Aus den Lautsprechern über der Theke kommt leise Musik, vom Nachbartisch dampfen die heißen Suppen herüber. Wir nehmen auf einer gepolsterten Bank an einem Tisch direkt hinter dem großen Schaufenster Platz. Außerdem gibt es kleine Stehtische in dem hellen Gastraum. Das Lokal ist mit Blumen und frischen Kräutern verziert. Als Regale dienen Töpfe, die mit dem Boden an die Wand genagelt wurden. Wer einen alten Topf mitbringt, bekommt angeblich sogar eine Suppe umsonst.

Banker, Hausfrauen, Studenten

Die Gäste im Gusto sind sehr unterschiedlich: Da gibt es den Banker, der eine Suppe to go ordert, die Hausfrauen, die sich mehrmals die Woche zu Kaffee und Kuchen treffen, Studenten, die ihr Krustenbrot in der Ecke verdrücken. Die wechselnde Speisekarte steht auf Tafeln über der Theke. Diesmal sind es sieben Suppen, die Wahl fällt schwer: Neben den Klassikern Gulaschsuppe (5,30 Euro) und Gazpacho gibt es Rote-Bete- oder Blumenkohlsuppe.

Wir entscheiden uns für die altbayerische Kartoffelsuppe (4,90) und das Thai-Karottencurry mit Reis (5,50). Dazu nehmen wir jeweils ein Gustini (2,70): ein heißes gegrilltes Sandwich mit Ziegenkäse und Tomaten oder Käse , Schinken und Pesto. Dazu trinkt man im Gusto Club Mate oder eine Fritz Cola (1,90).

Die Suppen sehen ansprechend aus: Die Teller sind mit Gewürzen und Blättern verziert; auf dem Reis im Thai-Karottencurry thronen zwei Basilikum-Blätter, außen herum schwimmen einige Safran-Fäden. Dass die Suppen hausgemacht sind und Geschmacksverstärker tabu, schmeckt man. Die Karottencurry-Suppe leuchtet in einem kräftigen Orangerot, das Gemüse ist knackig und beim Essen umgibt einen ein angenehm frischer Dampf aus Curry und Basilikum.

Zimtschnecken und Mango-Salat

Die Kartoffelsuppe ist cremig und mit Kräutern ordentlich gewürzt. Durch die Wurst, die in der Suppe schwimmt, wird sie zur deftigen Mahlzeit. Zu allen Suppen wird knuspriges Vollkornbrot serviert.

Wer im Sommer gerne auf Suppe verzichtet, kann im Gusto auch ungewöhnliche Salate ordern: Mango-Mozzarella-Salat mit Chilli oder Rote-Bete-Salat mit Hirtenkäse und weißem Thymian (beide 4,30 Euro) stehen auf der Karte. Außerdem gibt es eine kleine Dessert-Auswahl – Schokotorte, Apfelkuchen oder Zimtschnecken (1,70). Wir entscheiden uns für die Zimtschnecken, die uns schon von der Theke aus entgegen duften und noch warm sind, als sie vor uns auf dem Teller liegen.

Das Gusto hat in der Donnersbergerstraße, neben Bioladen und Metzgerei, einen guten Platz gefunden. In der oft kurzen Mittagspause geht es schnell. Leicht und lecker sind die Suppen außerdem. Hier hätte wohl selbst der Suppenkaspar seine Suppe bis auf den letzten Löffel aufgegessen.