Wo die Sektgläser schon am späten Morgen klirren

Im La Bohème in Schwabing lebt das gute alte Frühstücksbuffet wieder auf. Das mondäne Ambiente schützt jedoch nicht vor Dränglern bei den Speisen.

Das Frühstücksbuffet scheint aus der Mode gekommen zu sein. Außer in Hotels findet man es kaum noch. Eine Institution zum sich immer wieder den Teller neu beladen war in München etwa das “Zoozie’z” am Baldeplatz. Im Nachfolger-Lokal “Fugazi N° 15” bestellt man Kaffee und Rührei ganz schnöde à la carte. Vermutlich passt die “All you can eat”-Mentalität der Neunziger- und Nullerjahre einfach nicht mehr in die heutige Zeit. Umso erstaunlicher, dass das eher hochpreisig angesiedelte Restaurant “La Bohème” trotzdem ein Frühstücksbuffet anbietet.

Unter der Woche bleiben die Türen in dem Restaurant am Morgen geschlossen, am Sonntag darf beim Brunch dafür umso ausgiebiger geschlemmt werden – für 29,90 Euro pro Person, dafür sind die meisten Getränke auch inklusive. Von 11.30 bis 15 Uhr können sich die Gäste am Buffet bedienen. Eine Reservierung ist zu empfehlen, denn am späten Sonntagmorgen bleibt hier nur selten ein Tisch frei.

Die Gäste speisen in mondänem Ambiente, im Hintergrund läuft dezente Soulmusik aus den Sechzigern. Fünf Meter hohe Decken, ausladende Kronleuchter, Kupferlampen und eine Backsteinwand mit dem Schriftzug “Vote against Prohibition” verleihen dem Lokal einen Hauch von New York. Ein bisschen Weltstadtflair im sonst so beschaulichen München. Die roten Lederbezüge auf manchen Sitzen erinnern auch sicher nicht zufällig an einen US-amerikanischen Diner.

Glücklich schätzen kann sich, wer zum Speisen eines der Sitzrondells zugewiesen bekommt. An den Plätzen auf einem Podest in der Mitte des Raums sitzt man gleichzeitig zentral und doch im intimen Kreis beieinander.

Was gibt es da und was kostet es?

Zu essen gibt es so ziemlich alles, was das Herz eines jeden Brunch-Fans begehrt: Auf der Bartheke, die sonntags zum Buffet umfunktioniert wird, stehen Mini-Eclairs neben Croissants, frischem Obst, geräuchertem Fisch, kleinen Fleischpflanzerln, Schnitzelchen und einer großen Auswahl an Käse. Natürlich darf auch die mittlerweile obligatorische Avocado nicht fehlen. Man findet sie hier in Form von Avocado-Crostinis mit angerösteten Cocktailtomaten. In den Speisenwärmern gibt es sowohl Rühreier als auch Würstl, Kartoffeln und Nudelgerichte. Die Weißwürste schlummern auch noch nachmittags unter den Metallhauben – beim Brunch scheint die alte Münchner Regel, die Weißwurst darf das 12-Uhr-Läuten nicht hören, nicht zu gelten.

Der Sekt in den Weinkühlern ist im Preis mit inbegriffen und so hört man an vielen Tischen die Gläser schon zum Mittag klingen. Auch Kaffee muss man nicht extra zahlen – Espresso, Cappuccino und Latte macchiato können beim äußerst freundlichen Personal geordert werden. Das Gleiche gilt für Tee. Nur ein frisch gepresster Orangensaft (0,2 Liter) kostet 5,50 Euro extra. Wer ein bisschen angeben möchte, bestellt sich noch einen Pancake-Turm mit Ahornsirup und frischen Früchten (9,50 Euro).

Wer geht da hin?

U-30-Gäste findet man hier meist nur in Begleitung ihrer Eltern. Etwa ein Baby, das fröhlich an einem Tisch Mittdreißiger herumgereicht wird oder ein Teenagermädchen, das mit seiner Mutter brunchen geht. Kurzum: Hier findet sich sonntags ein gutbürgerliches Münchner Publikum ein, das genug Geld verdient, um sich keine Gedanken über die Frühstücksrechnung zu machen. Der Name “La Bohème” scheint zu ziehen. Männer in Hemden mit Pulli drüber unterhalten sich mit Frauen in Kleidern mit Blazer drüber. Nur eine Sache scheint doch überall gleich zu sein: dass sich am Buffet gerne mal jemand vordrängelt.