Wo Kinder sogar den Spielplatz links liegen lassen

Den Gasthof Roming in Eching am Ammersee gibt es seit 1880. Hier stimmen Essen und Ambiente, und es liegt ideal für einen Ausflug.

Die Münchner Ausflügler kamen einst mit der “Mooskuh” zum Ammersee. “Maria Therese” hieß eigentlich das Dampfschiff, das am 10. Mai 1880 die neue Amper-Schifffahrtslinie zwischen Grafrath und Stegen am Ammersee eröffnete. Bis Grafrath fuhren die Leute damals noch mit der Bahn, dann ging’s eineinhalb Kilometer zu Fuß weiter bis zur Anlegestelle, wo sie die im Volksmund genannte “Mooskuh” aufnahm.

Ihre Strecke führte durch das Ampermoos, und ihr Signalton glich dem schrecklich klingenden Ruf der Rohrdommel – so hatte sie ihren Spitznamen weg. Im selben Jahr wie die Schifffahrtslinie eröffnete einen Katzensprung von der Amper entfernt der Gasthof Roming in Eching. Er hat den Fortschritt überlebt und er wird es auch überstehen, dass der alte Ortskern derzeit vom Ammersee buchstäblich abgeschnitten ist. Der Echinger Tunnel, in dem die Lindauer Autobahn normalerweise verschwindet, wird momentan mit einem irrwitzigen Aufwand saniert, weshalb Behelfsfahrbahnen gebaut wurden, die den Ort durchschneiden.

Vielleicht lag es ja an der ungünstigen Verkehrsführung, dass an einem recht sonnigen Samstag im schönen, aber zum Glück nicht landhausmäßig aufgemotzten Gasthof Roming nur ein Tisch besetzt war, nämlich unserer. Sonst, und gerade abends, ist in der Wirtschaft nichts spontan zu bekommen, weshalb die vielen Stammgäste aus der Umgebung frühzeitig reservieren. Sie schätzen die Ernsthaftigkeit, mit der dieses Lokal von Hans Peter Roming geführt wird, und sie mögen die von der Wirtin und ihrer Tochter handwerklich gekonnt zubereiteten Speisen auf dem alten, holzbefeuerten Wamsler-Herd.

Ein Münchner Anwalt kommt regelmäßig nur wegen der Rinderroulade mit hausgemachten Spätzle (15,50 Euro), die ihn an die Küche seiner Großmutter erinnert. Wir haben das Gericht auch probiert und müssen dem Mann Recht geben: zartes Fleisch, ausgewogene Füllung, reichhaltige Sauce. So muss eine Roulade schmecken.

Bei allem Lob, das wir hier noch ausschütten, muss auch erwähnt werden, dass uns das Roming-Team einmal ganz schön sitzen gelassen hat – im Wortsinn. Wir kamen eines Nachmittags einen Tick zu früh zum Essen und wussten nicht, dass die Zeiten für die warme Küche genauso ernst genommen werden wie alles andere. Nicht ohne Grund haben die Romings ausgerechnet die Donnerstage und Freitage zu ihren Wochenenden erkoren und gerade dann geschlossen, wenn bei anderen Hochbetrieb ist: Die Wirtsleute gehen an ihren Ruhetagen halt gern zur Konkurrenz und lassen sich verwöhnen.

Wir setzten uns also in den Gastgarten des Roming, direkt neben der hübschen Kirche, und bekamen vor 17 Uhr, wenn der Herd für den Abend angefeuert wird, nicht einmal etwas zu trinken. Das war aber womöglich nur ein Versehen, weil die Gäste am Nebentisch, eine Radlergruppe, schon ziemlich einen sitzen hatten.

Warum sich das Warten gelohnt hat

Das Warten aufs Essen lohnte dann aber allemal. Den fein herausgebackenen Ziegenkäse begleitete ein hübsches Salatbouquet, angemacht mit einer sehr ausgewogenen Vinaigrette (11,90). Die Milzwurst war leider nicht geliefert worden vom Metzger, die alternativ angebotenen Kalbsfleischpflanzerl mit Jus und Kartoffelsalat (9,50) waren dafür ein Gedicht.

Ein Problem ergab sich für eine Achtjährige am Tisch: ob sie sich nun ihrem Cordon bleu (13,50, Kinderportion 12) widmen sollte oder dem nett angelegten Spielplatz neben dem Gastgarten. Sie aß dann die halbe Portion, verabschiedete sich zum Klettern und war schier entsetzt, als sie zurückkam. Ihre Eltern hatten das vorzügliche Cordon bleu inzwischen aufgegessen. Es flossen Tränen, und der Wirt wusste auch, warum. Schnitzel und deren gefüllte Verwandte sind eine absolute Stärke der Küche.

Wobei wir das so nicht unterschreiben mögen. Beinahe alles Gereichte zeichnete sich durch besondere Qualität aus. Das galt schon für die Suppen – eine feine Rinderbrühe, mal mit Pfannkuchenstreifen (3,90) und mal mit Bratnockerl (4,50) bestückt. Beide sehr solide und schmackhaft. Besonders die Bratnockerl hatten die richtige Konsistenz, leicht fluffig und trotzdem fest genug, so dass sie mit dem Löffel zerteilt nicht gleich auseinanderfielen.

Als Exot auf der Karte fiel das Thai-Curry mit Weidehähnchen aus der Region (13,90) auf. Der Reis war auf den Punkt gegart, das Gemüse schön knackig und das Hühnerfleisch zart und saftig. Das Ganze lag in einer leicht scharfen und fein abgeschmeckten Kokos-Curry-Sauce, wie man sie sich bei manch einem Thailänder auch wünschen würde. Natürlich steht dieses Gericht nicht zufällig auf der Karte. Es bietet sich trefflich an, als vegane Variante (10,90) angeboten zu werden, was die ansonsten sehr traditionelle Speisekarte auch für Gäste annehmbar macht, die kein Fleisch essen.

Für diese Gruppe bieten sich noch die tadellosen Käsespätzle (9,50) oder die Rahmpfifferlinge mit Semmelknödel (13,90) an. Wer auf Rindfleisch setzt, ist im Roming sicher nicht falsch. Die Steaks sind trocken gealtert ( dry aged ) und zeichnen sich durch einen angenehmen Eigengeschmack und besondere Zartheit aus. Wir probierten ein Stück Lende mit krossen Bratkartoffeln und Salat (18,90), der leider etwas süß abgeschmeckt daher kam. Das Fleisch war butterweich, nur etwas mehr durchgebraten als gewünscht.

In einer anderen Variante mit Cognac-Rahm-Sauce, Rösti und Bohnen (19,90) indes gab es nichts zu mäkeln. Die Rösti schön kross, die Bohnen nicht übergart und das Pfeffersteak medium ein einziger Genuss. Ein Viertel vom kräftigen Crianza (5,90) dazu – die Weine im Roming sind mit Verstand ausgewählt – und der Gast ist zufrieden.

Zum Abschluss konnten wir uns einem mit Preiselbeeren und Vanilleeis gefüllten Palatschinken (6,90) nicht erwehren, der die Runde ein weiteres Mal ins Schwelgen brachte. Der etwas trocken und krümelig geratenen Kaiserschmarrn mit Apfelmus (8,90) verblasste dagegen etwas.