In der halb offenen Küche wird Sushi in Form von Nigiri, Maki und Sashimi zubereitet, auf die ist man im Anoki zurecht stolz. (Foto: Robert Haas)

Wo sich Japan und Vietnam kulinarisch begegnen

Das Anoki gegenüber der Oper ist ein wirklich weltstädtisches Restaurant mit asiatischen Köstlichkeiten – aber auch mit stolzen Preisen.

Sehr viel exklusiver, sehr viel edler geht es eigentlich nicht: Die alte Residenzpost an der Oper ist das, was man in der Immobilienbranche eine Premiumlage nennt. Ein Restaurant an dieser Stelle muss etwas hermachen, sollte weltstädtisch auftreten und Vergleiche mit London oder Paris nicht scheuen, auch wenn München sonst nicht gerade London oder Paris ist.

Das war der Kufflergruppe schon klar, als sie die Erdgeschossräume und die große Loggia zum Max-Joseph-Platz 2013 gleich für 20 Jahre anmietete. Hier sollte mit dem Kuffler California Kitchen und 400 Plätzen das Flaggschiff der Gruppe entstehen, die zu den größten Gastrounternehmen Deutschlands gehört und in München zum Beispiel das Spatenhaus, das Seehaus, das Mangostin und das Weinzelt auf dem Oktoberfest betreibt. Aber da ging vieles schief, und nach sechs Jahren sah man sich gezwungen, das Experiment einzustellen und zusammen mit einem anderen Profi ein ganz neues Konzept umzusetzen.

So kam es also zum Anoki. Das vietnamesische Ehepaar Hieu und Anh-Thu Tran hat in München mit seiner Küche schon viel Furore gemacht, hat die Restaurants Anh-Thu, Cochinchina und Chuchin aufgebaut und vor einem Jahr nach längerem Umbau eben das Anoki. Der Name ist die japanische Form des weiblichen Vornamens Anh-Thu, und das deutet schon darauf hin, dass man es hier mit einer Kombination aus vorwiegend japanischer und vietnamesischer Küche zu tun hat. Das ist eine durchaus kluge Wahl, nicht nur weil sich beide Länderküchen schon seit längerem großer Beliebtheit erfreuen, sondern auch weil sie trotz großer Unterschiede vom Stil her harmonieren. Die vietnamesische Küche ist ja meist deutlich milder als die anderer asiatischer Länder.

So betritt man nun durch eine schwere Holztür das Anoki und wird am Ende eines dunklen Ganges von einem Stehpult und einer Rezeptionistin empfangen. Ganz wie in einer richtigen Weltstadt. Das Restaurant selbst ist eine grandiose Bühne, eine gelungene Abfolge von großen Tischen für Gruppen und kleineren für den Paarbesuch, hineingebaut in eine Kulisse zwischen Bambuswald und vornehmem Palast, jeden Protz vermeidend. In der halb offenen Küche wird Sushi in Form von Nigiri, Maki und Sashimi zubereitet, auf die ist man hier zurecht stolz. Das hat allerdings auch seinen Preis. Die "Sashimi Chef Variation" kostet 44,90 Euro, dafür bekommt man jeweils zwei Stück von fünf Sorten Sashimi; die "Sushi Chef Variation" mit fünf Sorten Nigiri (jeweils ein Stück) und vier King Crab California Rolls kommt auch noch auf 28,90 Euro. Zwei Stück Nigiri kosten sonst zwischen sechs (Omelett) und 23 Euro (Wagyu-Rind), die Maki-Rolle zwischen sieben (Gurke und Avocado) und 18,50 Euro (King Crab oder Softshell Crab).

Die Auswahl an Sushi ist durchaus beeindruckend und von hoher Qualität; dafür wünscht man sich aber auf der Karte ein bisschen mehr Information. Leider sind die einzelnen Sorten nur mit ihren japanischen Namen verzeichnet. Man bräuchte also ein Wörterbuch oder zumindest einen Gastrostreber am Tisch, der einem erklärt, dass es sich bei "Chu-Toro" um halb-fettigen Thunfisch vom hinteren Bauch des Fisches handelt, bei "Hotate" um Jakobsmuschel und bei "Suzuki" um Seebarsch. Erfreulicherweise ist die Karte ansonsten auskunftsfreudiger.

Ja, sie bietet tatsächlich eine schöne Auswahl klassischer Gerichte wie etwa den Salat aus grüner Papaya mit Garnelen und Thai-Basilikum (18,90), in dem die Aromen fein austariert sind und die leichte Säure der typischen Fischsauce die übrigen Zutaten bestens abrundet. Die als leicht scharf angekündigte Kokosmilchsuppe mit Huhn, Austernpilzen und Zitronengras (9,00) ist dank der Kokosmilch milder als erwartet.

Bei den Hauptspeisen überzeugt das Rote Curry vom Maishähnchen, serviert mit Reis und Gemüse – das darf man beim stolzen Preis von 25,90 Euro allerdings schon erwarten. Der Black Cod – ein Filet vom Kohlenfisch – in Yuzu-Miso-Marinade (38,90) ist ebenfalls köstlich. Das gegrillte Thunfischfilet mit (nicht sehr saisonalem) Spargel und Zwiebeln (36,90) hat einen leicht zitronigen Anklang von Ceviche, jener südamerikanischen Art, den Fisch nur mit der Säure von Zitrusfrüchten zu garen. Vom Grill gibt es Steaks aus den USA oder Australien (46,00) oder gleich japanisches Wagyu-Rind zu 72 Euro für 100 Gramm. Letzteres würde Sturms Spesenetat sprengen, aber einmal, als erheblich günstigeres bayerisches Wagyu auf der Karte stand, wollte er es doch wissen. War butterzart. Aber die Nachfrage, woher genau es kam, ließ die Servicekraft ratlos zurück. Sie erkundigte sich in der Küche und nannte nach einer Viertelstunde den Namen eines bekannten Münchner Gastronomiegroßhändlers. Das hätte man dann schon gern genauer gewusst.

Egal. Im Anoki bekommt man zuverlässig hohe Qualität auf den Tisch, allerdings zu noch höheren Preisen. Die sind wohl der sicher exorbitanten Miete geschuldet, und Corona – aparterweise wurden die wegen der Abstandsregeln gesperrten Tische übrigens durch Tontöpfe markiert, die Urnen ähneln. Den Absacker in der ausnehmend stilvollen Anoki-Bar, rechts vom Eingang zum Restaurant, spart man sich angesichts der Rechnung für zwei dann doch lieber auf.

Adresse: Maximilianstraße 2 (Eingang Hofgraben 9), 80539 München, Telefon: 089/41327560, Öffnungszeiten: Täglich 12 bis 0 Uhr, hello@anokimunich.com