Wo sich Kosmopoliten unters Volk mischen sollen

Um als Hotelbar auch bei Einheimischen zu punkten, muss schon etwas besonderes geboten werden – so wie in Sophia’s Bar.

Die Hotelbar ist der Hafen, an dem irgendwann alle Gäste stranden. Geschäftsleute, die zahllose Städte kennen, aber keine so richtig. Denen es zu anstrengend ist, einzutauchen in die fremde Nacht. Mittelalte Paare, die in der Ferne nach Aufregung suchen und zumindest für ein paar Nächte Ablenkung finden.

Sophia’s Bar im The Charles Hotel am Alten Botanischen Garten macht an diesem Abend keine Ausnahme: Geschäftsmänner scannen von der lang gestreckten Bar aus das Angebot. In der in blau-grau-cremefarben gehaltenen Lounge diskutiert eine Gruppe junger Männer auf niedrigen Polsterstühlen wie die Rechnung geteilt wird, natürlich nicht ohne die jungen Damen am Tisch betont generös einzuladen. Um auch Einheimische anzuziehen, muss eine Hotelbar in einer Stadt voller Bars schon etwas bieten.

In Sophia’s Bar fällt an diesem Abend zuerst die Musik auf. Der Sänger am schwarzen Flügel gibt samtig seufzend Marvin Gaye zum Besten. Der Ton ist gesetzt: Sexy Soul. Das Best-Ager-Pärchen wiegt sich beschwingt neben der Bar im Tanzschulen-Discofox. Etwas hölzern, aber egal, immerhin tanzen sie und genießen. Der Sänger haucht ihr um Mitternacht ein Ständchen zum Geburtstag, der Ausflug ist gerettet.

Mit Sophia’s Bar und dem gleichnamigen Restaurant will die Rocco-Forte-Gruppe, die das The Charles betreibt, einen “Treffpunkt” schaffen, “an dem sich die Kosmopoliten der Stadt unters Volk mischen” heißt es in PR-Sprech, und “zwanglosen Genuss in München für Münchner” bieten. Aha.

Seiteneingang für Einheimische

Seit knapp zwei Wochen läuft der Betrieb im neuen Ambiente. Bisher war die Bar in der Lobby, nun gehen nebenan Restaurant und Bar ineinander über, Gäste und Münchner sollen von Aperitif bis Absacker bleiben. Damit Einheimische sich nicht von der Lobby abschrecken lassen, bekommen sie einen Seiteneingang.

Zu schmecken ist der neue Fokus von Barchef Roman Kern wenige Tage nach dem Umzug in die neuen Räume schon mal. In Anspielung an die Botanik des nahen Gartens spielen Kräuter, Gewürze und Gemüse in den Cocktails eine wichtige Rolle. Jedes Getränk ist mit Zweigen oder getrocknetem Obst dekoriert. Die Mixturen sind außergewöhnlich und ausgezeichnet. Die schrei-bunten, üblichen Verdächtigen stehen nicht auf der Karte.

Frisch-fruchtig und würzig-zitronig prickelt “Sophia’s” Cocktail aus Gin, Champagner und einer Kugel Thymian-Zitronen-Sorbet. Bei 19 Euro ist langsames Genießen ohnehin angebracht und der Drink schmeckt noch intensiver, wenn das Sorbet langsam im Alkohol versinkt. Lieblichere Frische und mehr Champagnerperlen bringt Cucumber Fizz (19 Euro) aus der Kategorie Gemüse. Wem nach flüssigem Nachtisch ist, sollte einen Spicy Chocolate (15 Euro) bestellen. Der Duft der Tonkabohne erinnere an Hippie-Buden, sagt die Begleitung, nimmt einen skeptischen Schluck und brummt zufrieden. Amaretto, Schokolade und Sahne lösen ein, was Dessertgelüste forderten.

Die Cocktails dürften den Maßstäben der selbst gewählten Zielgruppe sicher genügen. Aber damit diese kosmopolitischen Münchner in München mit ihrem neuen Treffpunkt auch wirklich zufrieden sind, müssen die durchaus reizenden und reizend in Hemd samt Fliege und Hosenträger gekleideten Kellner schneller werden. Ein bisschen Zeit ist noch bis zur offiziellen Eröffnung am 11. April.