Wo Vivaldi zum Frühstück vernascht wird

Das Café am Beethovenplatz lockt mit Wiener Kaffeehaus-Atmosphäre. Das liegt nicht nur am klassischen Klavierspieler.

Ist das wirklich München? So mancher Gast mag sich das fragen, wenn er das Café am Beethovenplatz betritt. Die Atmosphäre in dem denkmalgeschützten Belle-Époque-Gebäude, das um 1900 gebaut wurde, erinnert an ein Kaffeehaus irgendwo in Wien. Schwere Kronleuchter hängen von der rot-weißen Kassettendecke, die Verkleidung und die Tische im dunklen Holz schaffen eine entspannte Stimmung, und am Eingang stimmt ein Klavierspieler beim Klassikfrühstück am Sonntag sanfte Melodien an. Die Frühstücksgäste sitzen innen entweder im Saal oder im kleineren, aber ruhigeren Nebenzimmer, bei Sonne können sie es sich auch im Garten gemütlich machen.

Was gibt’s da?

Das Café am Beethovenplatz, vielen auch als Mariandl bekannt, ist angeblich das älteste Konzertcafé Münchens. Das schlägt sich auch in der Frühstückskarte nieder: Die Gerichte sind nach berühmten Komponisten benannt und entsprechend ihrer Nationalität zu einem mehr oder weniger landestypischen Frühstück aufbereitet. Wer es gerne italienisch-elegant mag, bestellt einmal Vivaldi und bekommt ein Glas Prosecco, Parmaschinken, Mailänder Salami, Oliven, italienischen Käse (der leider etwas beliebig schmeckt) und Bruschette. Stilvoll-gehoben ist auch Tschaikowsky mit Lachs, Sahnemerrettich, Preiselbeersahne, Thunfischcreme und ebenfalls einem Glas Prosecco. Wer es deftiger mag, dem sei der US-amerikanische Komponist Gershwin mit Spiegeleiern, Bacon, Frischkäse und Cornflakes ans Herz gelegt. Und wer sich schon lange mal bei der Gema rächen wollen: Auch sie kann verputzt werden, und zwar in Form von Müsli, weichgekochtem Ei, Käse, Honig, Rohkost mit Dip und einer halben Grapefruit.

Wer geht da hin?

Das Hotel Mariandl liegt direkt über dem Café, entsprechend bekannt ist es bei Touristen. Aber auch viele Münchner zieht der Wiener Kaffeehaus-Charme an: Freunde treffen sich hier zum ausgiebigen Ratsch, ältere Herren trinken in Ruhe eine Melange, und Studenten führen ihre Eltern hierher, die gerade zu Besuch sind.

Wie viel Zeit bringt man mit?

Wenn am Sonntag viele Menschen zum Brunchen gehen, kann es schon einmal dauern, bis das Frühstück kommt. Aber mal ehrlich: In ein Café wie dieses begibt man sich auch nur, wenn man Zeit mitbringt. Und der Mann am Klavier verkürzt mit seinem Spielen die Wartezeit.

Wie viel Geld lässt man dort?

Die meisten Frühstücke kosten weniger als neun Euro. Oben genannte Gerichte Vivaldi und Gershwin etwa sind mit 8,90 Euro veranschlagt, nur Tschaikowsky kostet mit Lachs 9,80 Euro. Das günstigste Frühstück liegt bei 6,80 Euro. Teurer wird es freilich, wenn ein Gericht für zwei bestellt wird: Für das Frühstück “Maurice Ravel”, das auf der Etagère serviert wird, werden 27,50 Euro berechnet.