XXL-Cocktails und eine Gummipuppe

Bei der Namensgebung und der Einrichtung war man hier besonders kreativ: “Eat the Rich” hebt sich vom Chichi-Standard herkömmlicher Clubs ab. Von exhibitionistischen Gartenzwergen und teuren Cocktails, die sich lohnen.

Die Story des britischen Spielfilms “Eat The Rich” aus dem Jahr 1987 ist ein bisschen gaga: Kellner Alex, der im Nobelrestaurant “Bastards” angestellt ist, streitet sich mit Kollegen und den versnobten Gästen und wird gefeuert. Um sich zu rächen, ruft er seine Freunde zusammen, stürmt das Restaurant und tötet alle. Zusammen mit seinen Kumpels benennt er das Restaurant in “Eat The Rich” um – und verfüttert seine Opfer an die Szeneschnösel, die an den nächsten Tagen ins Lokal kommen.

Furcht um sein Leben muss natürlich niemand haben, der ins “Eat The Rich” in der Heßstraße geht. Zwar hat der Club den Namen tatsächlich dem Film aus den Achtzigern entlehnt, ein Bloody Mary ist hier aber trotzdem ganz konservativ mit Tomatensaft gemixt. Es wäre allerdings nicht abwegig, wenn tatsächlich einmal jemand zu Schaden kommt in dem Club, beim ersten Blick auf die Getränkekarte kann einem schon mal das Herz stehen bleiben:

Cocktails wie ein Honolulu Juicer mit Rum, Southern Comfort und Ananassaft oder ein Mai Tai oder auch ein Zombie kosten zwischen 11,20 Euro und 13,20 Euro. Allerdings stellt sich nach dem Schock rasch Entspannung ein, wenn die stets prächtig aufgelegten Bedienungen die Bestellungen bringen: Am Alkohol spart der Barkeeper nicht, die XXL-Gläser sind bis zum Rand voll. “Two in one” nennen sie hier ihre Getränke – in anderen Bars muss man zweimal bestellen, um so viel Cocktail zu bekommen.

Die megagroßen Cocktails kommen gut an, genauso wie das Fingerfood (Nachos con queso für 8,50 Euro) und die Fleischgerichte aus der Küche. Vor allem freitags und samstags ist im “Eat The Rich” so viel los, dass man sich kaum umdrehen kann. Das Publikum ist schicker als in anderen Bars, die Herren tragen Hemden, die Damen können mit ausgebeulten Pullovern sichtlich wenig anfangen – wer eine Studentenkneipe sucht, ist woanders besser aufgehoben. Dafür hebt sich die Einrichtung ab vom Chichi-Standard anderer Clubs. Im Schaufenster räkelt sich eine Gummipuppe, aus einer Wandnische glotzen exhibitionistische Gartenzwerge. Andere Zwerge haben Messer im Rücken – ein bisschen Gewalt muss schließlich sein, bei dem Namen.