Klare Linien prägen das Café, Pastellfarben geben den Ton an.

Zum Business-Lunch in die Fünfzigerjahre

Die neue Tagesbar Lilli P. liegt in einem kühlen Bürokomplex am Arnulfpark – und macht das durch dezenten Retrocharme wett.

Welch wunderbare Symbiose ein Gastronom und eine Architektin eingehen können, zeigen die Eheleute Thatenhorst mit ihren Lokalen jedes Mal aufs Neue. Nun stellte die Familie, die mit nunmehr sieben Läden in der Münchner Gastroszene vertreten ist, ihren jüngsten Zuwachs vor: das “Lilli P.”, ein fast 200 Quadratmeter großes Tagescafé in einem Bürokomplex nahe der Donnersbergerbrücke. 200 Quadratmeter? Bürokomplex? Das klingt erst einmal wenig einladend, aber hier kommt Stephanie Thatenhorst ins Spiel.

Die Innenarchitektin zeichnet stets für die Einrichtung der Lokale ihres Mannes Markus und dessen Bruder Florian verantwortlich. Modern, mondän und immer ein wenig retrolastig, so lässt sich Thatenhorsts Stil wohl am besten beschreiben. Das Occam Deli oder das Theresa zählen denn auch seit Jahren zu den angesagtesten Adressen der Stadt.

Als Inspiration für die Theresa Bar, die 2015 das Grill-Restaurant an der Theresienstraße ergänzte, dienten Thatenhorst die James-Bond-Filme aus den Siebzigerjahren. Für das “Lilli P.” ging es weiter in die Vergangenheit. Dort standen die Fünfzigerjahre Pate. “Ich wollte, dass es hier aussieht, wie an einem Filmset von Wes Anderson”, erzählt Stephanie Thatenhorst bei der Eröffnung. Hollywood-Regisseur Anderson (“Grand Budapest Hotel”), der bekannt ist für die akkurate Zuckertortenoptik seiner Filme, könnte sich hier durchaus wohlfühlen. Klare Linien prägen das Café, Pastellfarben geben den Ton an. Der helle Terrazzoboden in Kombination mit grafischen Mustern und Stühlen mit Wiener Geflecht weckt Erinnerungen an vergangene Zeiten.

Das Lilli P. wartet morgens mit Frühstück auf, und verwandelt sich mittags in eine Art Kantine – eine ziemlich schicke, zugegeben. Das Café befindet sich im Bürokomplex “Nove” am Arnulfpark, entworfen vom italienischen Star-Architekten Antonio Citterio, in den “Design Offices” arbeiten an die 900 Menschen – und die wollen versorgt werden. Markus Thatenhorst betont aber: “Wir sind für das ganze Viertel da.” An der ausladenden Theke können sich die Gäste Pastrami-Sandwiches und warme Bowls bestellen, etwa die “Oriental Bowl” mit Couscous, getrockneten Tomaten, Kichererbsen, gerösteten Mandeln und Datteln (8 Euro). Oder sie lassen sich nach ihren Wünschen eine ganz eigene Kreation zusammenstellen. Auf der Galerie im ersten Stock kann man jedoch auch ganz klassisch Mittagsgerichte à la carte bestellen. An Sonntagen soll zudem bald ein üppiges Brunch-Buffet angeboten werden.

Bleibt noch der Name. “Lilli P.” erklärt sich mit der Adresse: Lilli-Palmer-Straße 2. “Nicht allzu einfallsreich”, gibt Markus Thatenhorst zu. “Aber das hat schon Tradition bei uns.” Der Kaisergarten: liegt an der Kaiserstraße. Das Occam Deli: an der Occamstraße. Ungewöhnlich ist nur die Lage: Das Lilli P. befindet sich in Neuhausen. Damit wagen sich die Thatenhorsts erstmals aus ihrem Kosmos Schwabing/Maxvorstadt heraus, wo alle anderen Lokale verortet sind. Der Stil verrät aber gleich: Hier handelt es sich um einen original Thatenhorst.